NRW-Berichterstattung beim WDR bekommt ein neues Gesicht

Köln – Der WDR plant, seine regionale Berichterstattung umzukrempeln, um noch näher an den Alltag und die Lebenswelt der Menschen in Nordrhein-Westfalen zu rücken. Dafür sollen die bislang getrennten Redaktionen für Aktuelles und Landesprogramme in einem neuen Programmbereich für NRW gebündelt werden – Startschuss voraussichtlich Anfang 2027, vorbehaltlich der Zustimmung aus den eigenen Reihen.

heute 18:00 Uhr | 3 mal gelesen

Der Westdeutsche Rundfunk stellt die Weichen für einen umfassenden Umbau seiner regionalen Berichterstattung: Künftig soll ein neuer Programmbereich (Arbeitstitel: NRW) unter Leitung des Chefredakteurs Stefan Brandenburg entstehen, der gezielt auf die Vielfalt und Eigenheiten der unterschiedlichen Regionen in Nordrhein-Westfalen eingehen will. Die bisher unabhängigen Bereiche 'Aktuelles' und 'Landesprogramme' werden zusammengelegt; die Regionalstudios erhalten eine stärkere Rolle und sind für ihre Gebiete direkt verantwortlich. Ein zentraler Punkt ist die glaubwürdige, zeitnahe Information für die Menschen in NRW – und zwar überall, rund um die Uhr und möglichst nah an den eigentlichen Bedürfnissen. Intendantin Dr. Katrin Vernau ist überzeugt, dass niemand außer dem WDR, so bildete sie es aus, sich auch um kleine Orte und lokale Themen kümmert, die für Tech-Konzerne völlig uninteressant sind – Wachtendonk und Tecklenburg lassen grüßen. Damit will der Sender seine Rolle als digitale Heimat im Westen ausbauen. Details zur neuen Struktur werden jetzt noch im Austausch mit Mitarbeitenden, Personalrat und den Aufsichtsgremien erarbeitet.

Kurzum: Der WDR will also mit einer klaren regionalen Ausrichtung punkten und digital präsenter werden. Die Pläne sehen vor, die bisherigen Bereiche zu vereinen und die Produktion von Inhalten stärker den jeweiligen Regionalstudios zuzuweisen – so bleibt die Berichterstattung verwurzelt und relevant für die Menschen in NRW. Auch andere Medienhäuser in Deutschland denken derzeit intensiv über neue Strategien nach, um lokale Themen besser abzubilden und Reichweitenverluste durch internationale Plattformen zu kompensieren. Neu ist dabei, dass der WDR gezielt auf eine enge Verzahnung von zentraler Führung und lokaler Eigenständigkeit setzt. Aus meiner Sicht ein Versuch, journalistische Vielfalt gegen die Übersättigung durch globale Newsfeeds zu verteidigen. Weiterführende Details zeigen, dass sich der WDR damit auch organisatorisch neu erfinden will: Die Ausschüsse, Redakteursvertretungen und der Personalrat haben noch ein Wörtchen mitzureden, doch der Wandel scheint beschlossene Sache. Laut Recherchen der taz nimmt die Neuausrichtung auch die Bedürfnisse jüngerer Nutzer verstärkt in den Blick. Die Süddeutsche berichtet, dass ähnliche Reformprozesse derzeit in mehreren öffentlich-rechtlichen Häusern laufen. Die FAZ ergänzt, dass das Thema regionale Glaubwürdigkeit durch gezieltes Storytelling und mehr Bürgernähe ohnehin im öffentlich-rechtlichen System an Gewicht gewinnt.

Schlagwort aus diesem Artikel