Gerade scheint es, als würde die Versorgung mit Gas in Deutschland zwar stabil laufen, doch hinter den Kulissen macht sich Nervosität breit. Ein internes Papier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, das das Wirtschaftsmagazin Capital ausgegraben hat, schlägt jedenfalls Alarm: Nach dem nächsten Winter könnten die Gasspeicher so leer sein, dass alte Rezepte nicht länger ausreichen, um Risiken abzufangen. Die Unionsexperten stellen infrage, ob es clever ist, die Einlagerung und Vorratshaltung komplett dem freien Markt und damit quasi dem Selbstlauf zu überlassen – was Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erstmals gewagt hatte. Sicher ist eben (fast) nichts mehr, betonen sie in nüchternen Worten – vor allem nicht, wenn politische Turbulenzen oder schwere Engpässe ins Spiel kommen. Die Regierung mischt derzeit zwar über Mindestfüllstände mit, doch das, so kritisiert die Union, kann auch Fehlanreize setzen. Unternehmen spekulieren manchmal darauf, dass der Staat bei drohenden Engpässen freundlich eingreift – und damit könnten, salopp gesagt, alle draufzahlen. Die Union denkt deshalb über Alternativen nach, nennt aber keine konkreten Maßnahmen. Möglich sei eine Art Notgasreserve, ähnlich der bekannten Erdölreserve, meinen die Fachleute. Allzu schnell solle jedoch kein Gasspeicher „aus wirtschaftlichen Gründen“ dichtgemacht werden. Für die Betreiber müsse es Planungssicherheit geben, und zwar bald.
Das Papier der CDU/CSU-Fraktion verdeutlicht eine wachsende Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Gasversorgung in Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund niedriger Speicherfüllstände nach dem Winter. Aktuell wird diskutiert, ob staatliche Mindestfüllstände ausreichend sind oder ob gezieltere Maßnahmen – wie eine strategische Gasreserve – notwendig werden, um auf Krisenszenarien wie geopolitische Konflikte oder Versorgungsengpässe reagieren zu können. In den vergangenen Tagen kam zudem aus Reihen der Ampelkoalition Kritik an zu kurzfristigem Krisenmanagement und mangelnden Investitionen in langfristige Versorgungssicherheit, insbesondere angesichts der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und häufigeren Spekulationen auf dem Gasmarkt. Viele Experten warnen, dass der liberale Marktansatz in Extremlagen versagen könnte; in mehreren Artikeln wird auch ein Mix aus Marktanreizen und regulatorischen Eingriffen als denkbarer Ausweg vorgeschlagen. Zuletzt wurde berichtet, dass die Bundesnetzagentur bereits prüft, wie sich strategische Gasspeicher unabhängig vom normalen Marktgeschehen betreiben ließen, während Umweltverbände fordern, nicht nur kurzfristig auf Gassicherheit zu setzen, sondern die Energiewende voranzutreiben.