In Köln und Dortmund wollen die zuständigen Oberbürgermeister den bisherigen Kurs ändern – sie sprechen sich für die erlaubte Verteilung gewisser Substanzen innerhalb von Drogenkonsumräumen aus.
Hendrik Streeck, aktueller Drogenbeauftragter der Bundesregierung (CDU), kann solchen Gedanken durchaus etwas abgewinnen. Im Gespräch mit dem "Spiegel" betonte er, dass rein polizeiliche Strategien bei schwerer Suchterkrankung schlichtweg nicht fruchten. Sucht sei eben nun mal ein Krankheitsbild, das mehr brauche als Strafandrohung oder Wegsehen; helfende Strukturen müssten gestärkt werden. Besonders hebt Streeck die Erfahrungen aus der Schweiz hervor: Zürich zum Beispiel habe ein Programm, das dank engmaschiger Hilfsangebote und Arbeit direkt vor Ort gut funktioniere – und darin sieht er ein Vorbild für Deutschland. Er warnt allerdings: Bloße Toleranz des Mikrohandels ohne unterstützende Maßnahmen untergrabe den Rechtsstaat und schüre Unsicherheit.
Auch Karl Lauterbach, Ex-Gesundheitsminister (SPD), hält diesen Ansatz trotz Kritik für sinnvoll. In seinen Augen ist Crack sogar noch gefährlicher als Heroin, weshalb ein neues Instrumentarium dringend sei. Münzen wir seine Worte um: Konsum und Handel sollten weiterhin strafbar bleiben – aber den ohnehin stattfindenden Mikrohandel zu regulieren, könne helfen, den Schaden für die Gesellschaft einzudämmen.
Angesichts wachsender Probleme mit offenen Crack-Szenen in deutschen Großstädten wie Köln und Dortmund wird ein Paradigmenwechsel diskutiert: Die kontrollierte, legale Weitergabe von Drogen in Konsumräumen. Streeck betont die Notwendigkeit, auf Erfahrung aus der Schweiz zurückzugreifen und das Angebot von Hilfs- und Sozialarbeit massiv auszubauen, um den Übergang von Kriminalisierung zu Unterstützung zu schaffen. Gleichzeitig besteht Konsens darüber, dass bloße Duldung ohne flankierende Maßnahmen kontraproduktiv wäre – kontrollierte Abgabe in sicheren Kontexten könnte einen Mittelweg offerieren, um sowohl Suchterkrankte zu entlasten als auch das Umfeld zu schützen.
Neueste Entwicklungen zeigen, dass auch die Bundesregierung unter wachsendem Druck steht, die Gelassenheit gegenüber Drogenkonsum politisch zu überdenken, insbesondere angesichts steigender Todesfälle und zunehmender Belastung von Quartieren. Debatten und Pilotprojekte gewinnen an Fahrt, auch weil immer deutlicher wird, wie wenig allein Repression zum gewünschten Ziel führt.