Debatte um Krankenstand: Lauterbach kontra Merz

Der einstige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) findet deutliche Worte gegen Kanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen Kommentare zum hohen Krankenstand in Deutschland. Lauterbach mahnt einen Fokus auf Prävention an – statt Gängelung der Erkrankten.

heute 14:32 Uhr | 6 mal gelesen

Prävention, sagt Lauterbach, ist der Schlüssel, wenn es um die Gesundheit im Beruf geht – also mehr Früherkennungsuntersuchungen, eine saftigere Tabaksteuer und konsequente Vorsorgeprogramme. Das Gegenmodell, nämlich Menschen mit zusätzlichen Hürden oder gar Misstrauen zu bestrafen, hält er schlicht für fehl am Platz. Gerade die Überlegung, die elektronische Krankschreibung wieder abzuschaffen, stößt beim SPD-Politiker auf völliges Unverständnis: "Damit wären die Praxen noch voller als ohnehin schon", warnt er, "Patienten und Ärzte hätten beide das Nachsehen." Im Grunde gehe es nicht darum, dass Menschen etwa mutwillig Arbeiten schwänzen. Vor allem durch den Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt seien inzwischen viele beschäftigt, die vor einigen Jahren schlicht zu krank gewesen wären, um arbeiten zu gehen. Auch von der Opposition kommen wenig freundliche Töne Richtung Merz: Franziska Brantner (Grüne) spricht von "ahnungslosen Sprüchen" statt echter Lösungen. Statt draufzuhauen, solle die Politik endlich tragfähige Rahmenbedingungen schaffen – zum Beispiel bessere Kinderbetreuung. Viele Frauen würden schließlich gerne mehr arbeiten, hätten aber schlicht niemanden für die Kinder, sagt Brantner. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund: "Dieses Gerede am Montagmorgen, dass alle faul sind, hilft niemandem weiter. Vielleicht sollte Herr Merz erst mal vor der eigenen Tür kehren."

Die aktuelle Diskussion zum Krankenstand in Deutschland entbrannte, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz den steigenden Krankenstand als Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer kritisiert und die elektronische Krankschreibung infrage gestellt hatte. Karl Lauterbach und Vertreter der Opposition sehen darin jedoch eine Verkennung der realen Arbeitswirklichkeit: Der Anstieg der Krankentage zeige vielmehr, dass heute mehr Menschen mit chronischen oder seelischen Leiden überhaupt am Arbeitsleben teilnehmen. Lauterbach fordert einen präventiven Ansatz statt Sanktionen oder Rückschritten bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Nach Recherchen aus verschiedenen aktuellen Artikeln wird deutlich, dass der Krankenstand 2024 in Deutschland tatsächlich auf Rekordniveau liegt. Insbesondere psychische Erkrankungen nehmen laut neuesten Berichten rasant zu, was nicht zuletzt an wachsendem Stress, Personalmangel im Gesundheitswesen sowie Überforderung am Arbeitsplatz liegt (vgl. Quelle: Zeit Online). Ein weiterer Aspekt: Die Digitalisierung der Verwaltung sei laut einigen Stimmen überfällig, da viele Prozesse immer noch zu bürokratisch und umständlich seien – das führe nicht selten zu Frust bei Arbeitgebern wie Mitarbeitern (vgl. Quelle: t3n.de). Die politische Debatte über Anreize versus Kontrolle wird durch den Fachkräftemangel zusätzlich befeuert – und bleibt, trotz betonter Appelle, weiterhin festgefahren.

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