Deutsche halten an 'Rente mit 63' fest – Kaum Zuspruch für Abschaffung

Ein erneuter Anlauf zur Abschaffung der vorzeitigen abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren stößt weiterhin auf wenig Zustimmung. Lediglich eine Minderheit in Deutschland will an dem Rentenmodell rütteln.

heute 16:50 Uhr | 3 mal gelesen

Man kann sagen, das Thema ist ein echter Dauerbrenner – und doch ändert sich an der Stimmung in der Bevölkerung kaum etwas. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv sprechen sich unverändert 78 Prozent der Deutschen klar dagegen aus, die "Rente mit 63" abzuschaffen. Die Diskussion flammt zwar immer wieder auf, trifft aber regelmäßig auf Ablehnung, sowohl im Osten (79 Prozent) als auch im Westen (78 Prozent) der Republik. Interessanterweise sind die Erwerbstätigen sogar noch entschiedener: 82 Prozent möchten das Modell beibehalten, bei den Rentnerinnen und Rentnern sind es immerhin noch 72 Prozent – vielleicht, weil viele das Thema emotional stärker sehen als den nüchternen Zahlen nach. Parteiübergreifend hält ein Großteil nichts von einer Abschaffung – insbesondere Linke- und AfD-Wähler, bei denen die Ablehnung besonders hoch liegt. Sogar unter der Klientel von CDU/CSU gibt es bemerkenswerte Skepsis gegenüber Veränderungen (69 Prozent dagegen, 27 Prozent dafür). Noch drastischer fällt das Urteil in Sachen Zahnarztkosten aus. Die Vorstellung, Leistungen beim Zahnarzt sollten komplett von Patienten selbst getragen werden, lehnen fast alle ab. Gerade mal fünf Prozent sind dafür. In allen Regionen und politischen Lagern überwiegt die Ablehnung, bei Anhängern der Linken sind es sogar 100 Prozent, die nichts von Eigenfinanzierung bei Zähnen halten. Die Zahlen zeigen: Viele Befragte sind, scheinbar unabhängig von allem politischen Hickhack, an ganz bestimmten Eckpfeilern der sozialen Absicherung in Deutschland nicht rütteln – egal, wer regiert oder welche neuen Ideen gerade en vogue sind. Wer das ändern will, wird wohl noch eine Weile gegen dicke Bretter bohren müssen.

Das Thema der "Rente mit 63" bleibt politisch und gesellschaftlich hochbrisant, dabei aber erstaunlich stabil in der Meinungslandschaft: Die Bevölkerungsmehrheit lehnt eine Abschaffung oder auch nur eine Verschärfung ab, wohl aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit und weil die Regelung insbesondere nach Jahrzehnten der Arbeit eine Art gesellschaftlichen Konsens ausdrückt. Die Debatte um Eigenleistungen beim Zahnarzt illustriert zudem die grundsätzliche Ablehnung von Privatisierung und Eigenbeteiligung im Bereich der Sozialpolitik – gleich welcher Partei man angehört. Ergänzende Medienrecherchen unterstreichen, dass die Diskussion um eine "Reform" immer wieder aufflammt: In aktuellen Artikeln wird einerseits vor finanziellen Belastungen der Rentenkasse durch das Rentenmodell gewarnt, andererseits kommt immer wieder zur Sprache, dass die breite gesellschaftliche Unterstützung das Thema zu einer politisch heiklen Angelegenheit macht. Jenseits reiner Zahlen wird aus den Meinungsbeiträgen deutlich, wie sehr Sicherheitserwartung und die Angst vor sozialen Abstiegen die Debatte bestimmen.

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