Grüne und Linke wehren sich gegen Erhöhung der Minijob-Verdienstgrenze

Scharfe Kritik von Grünen und Linken: Die CDU-Forderung, die Minijob-Grenze auf 1.000 Euro zu erhöhen, stößt bei ihnen auf entschlossenen Widerstand.

heute 17:16 Uhr | 5 mal gelesen

Kaum hatte der CDU-Spitzenkandidat aus Baden-Württemberg, Manuel Hagel, einen höheren Minijob-Lohn gefordert, hagelte es auch schon Kritik. Seine Kernthese: Minijobs sind besonders für Familien und Geringverdienende entscheidend, deshalb sollte die Verdienstgrenze von jetzt 603 Euro auf 1.000 Euro steigen. Doch der arbeitspolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Pascal Meiser, kontert ziemlich deutlich, dieser Ansatz ignoriere die negativen Konsequenzen von Minijobs: Es fehle an echter Absicherung im Krankheitsfall, bei Arbeitslosigkeit oder später in der Rente – und außerdem schwäche das ganze System die notwendigen Beiträge für die Sozialversicherung. Stattdessen, so Meiser, sollten lieber flächendeckende Tarifverträge eingeführt werden. Mit einem Augenzwinkern erinnert er daran, dass Baden-Württemberg einmal für stabile, gut bezahlte Jobs stand, und wirft Hagel vor, dies zu vergessen. „Lieber mehr prekäre Jobs als gut bezahlte Arbeit?“, fragt er spitz. Auch die Grünen melden sich zu Wort. Armin Grau, zuständig für Arbeit und Soziales, kritisiert, dass in der Union anscheinend jeder etwas anderes will: Mal soll das Recht auf Teilzeit massiv eingeschränkt werden, dann entdeckt ein anderer, wie wichtig Teilzeitarbeit für Familien sei. Die Arbeitsmarktpolitik der CDU gleicht für Grau einem Hühnerhaufen. Besonders problematisch: Minijobs tragen seiner Meinung nach wenig zu den Sozialkassen bei und werden für viele zur Sackgasse – denn wer lange in Minijobs arbeitet, bekommt im Alter fast nichts. Daher plädiert er für eine Abschaffung der Minijobs, abgesehen von Schülern und Studierenden.

Im Kern steht der politische Streit um eine Anhebung der Minijob-Grenze, die von der CDU gefordert, jedoch von Grünen und Linken scharf abgelehnt wird. Während Manuel Hagel die Minijobs als essentielle Stütze für Familien und Menschen mit geringen Einkommen hervorhebt, warnen Vertreter von Grünen und Linken vor den Risiken solcher Beschäftigungsformen. Besonders kritisieren sie den fehlenden Sozialschutz und negative Effekte auf das Sozialsystem, stattdessen verweisen sie auf die Notwendigkeit flächendeckender Tarifverträge. Neue Stimmen aus der Gewerkschaftsforschung belegen zudem, dass Minijobs insbesondere bei Frauen oft keine eigenständige Existenzsicherung ermöglichen—viele müssten im Alter trotz jahrzehntelanger Minijob-Arbeit staatliche Grundsicherung beantragen. Laut aktuellen Medienberichten hat auch die Ampel-Koalition bislang keine Einigung zur umfassenden Reform der Minijob-Regelungen erzielt, und die Debatte um den Spagat zwischen Flexibilität und sozialer Absicherung bleibt virulent. Auffällig: In Europa gibt es kaum ein vergleichbares System wie den deutschen Minijob, weshalb er international immer wieder kritisch hinterfragt wird.

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