Deutschland lässt 1,7 Billionen Euro Hightech-Chancen liegen – Warum wir den Anschluss zu verlieren drohen

München – Deutschland sitzt auf einem gigantischen Schatz an Hightech-Potenzial, ganze 1,7 Billionen Euro. Doch während USA und China längst systematisch mit neuen Technologien Märkte erobern, bleibt hierzulande vieles ungenutzt. Die Zeit drängt – denn der internationale Wettbewerb schläft nicht.

heute 12:10 Uhr | 3 mal gelesen

Eigentlich ist die Ausgangslage gar nicht so schlecht: Exzellente Forschung, starke Grundlagen in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik oder Biotech. Trotzdem verharrt Deutschland beim Thema Hightech oft im Mittelmaß. Die neue Studie von Boston Consulting Group und UnternehmerTUM spricht eine klare Sprache: Es gibt sechs Schlüsselbereiche, bei denen sich Deutschland entscheiden muss – weiterverwaltet oder mutig investiert. Das eigentliche Problem ist ein fast schon klassisches: zu wenig Risikokapital, zu statische Strukturen, halbherzige Zusammenarbeit zwischen Forschung, Unternehmen und Start-ups. Und wenn ich ehrlich bin, überrascht das wenig – fragt man Gründerinnen und Gründer, erzählen sie häufig von frustrierend langwierigen Prozessen und lähmender Regulierung. Die Zahlen sind ernüchternd: 2023 entstanden in den USA über 700 sogenannte Unicorns, in China immerhin 370 – hierzulande nur knapp 30. Für ein Land, das sich weltweit als Erfinder- und Techniknation versteht, klingt das eher wie ein Alarmsignal als eine Erfolgsstory. Auch beim Venture Capital sieht’s mau aus: Deutlich weniger als 10 Milliarden US-Dollar flossen hierzulande in Innovationen, während Investoren in den USA mal eben das Zwanzigfache aufbringen. Dabei schreien die globalen Märkte geradezu nach neuen Lösungen – ob KI, nachhaltige Produktion oder Energiespeicher. Ermutigend: Die Studie betont, dass politischer Wille und smartere Fördermechanismen tatsächlich einen Unterschied machen können. Was es laut den Experten braucht, sind gezielte Großprojekte und verlässliche Abnahmeverträge, damit Hightech nicht im Labor, sondern auf dem Weltmarkt Wirkung entfaltet. Und – das leuchtet mir unmittelbar ein – ohne begeisterte Gründer mit Ehrgeiz, Mut und Durchhaltevermögen bleibt jedes Ökosystem bruchstückhaft. An der entscheidenden Schwelle, der „letzten Meile“ von der Idee zum skalierbaren Produkt, entscheidet sich, wer den globalen Takt vorgibt. Anders gesagt: Deutschlands industrielle Stärke muss wieder lernfähig und im besten Sinn risikobereit werden. Sonst läuft die Wertschöpfung einfach woanders ab.

Die Studie 'Wachstumspfade' von BCG und UnternehmerTUM beleuchtet, welches gewaltige Hightech-Potenzial in Deutschland noch brachliegt – vor allem aufgrund von zu wenig Kapital, fehlender Risikobereitschaft und einer oft zu zögerlichen Politik. Trotz exzellenter Forschung locken internationale Märkte immer mehr Unternehmen ins Ausland, während in hiesigen Innovations-Ökosystemen oftmals der historische Erfindergeist von Bürokratie und Sicherheitsdenken abgelöst wird. Besonders kritisch sind die Felder Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik und Biotechnologie, die laut der Studie für die industrielle Zukunft Deutschlands zentral sind: Hier braucht es eine bessere Verzahnung zwischen Forschung, Gründerszene, Wirtschaft und Politik – und eine wirkliche Priorisierung von Innovation, auch wenn das Mut zur Lücke erfordert. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass nicht nur Studienautor:innen, sondern auch führende Köpfe aus Wissenschaft und Wirtschaft fordern, den regulatorischen Dschungel zu lichten und gezielt mehr Kapital in strategisch wichtige Technologiebereiche zu lenken. Verschiedene Medien betonen, dass sich das Zeitfenster für einen grundlegenden Wandel schließt: Mehrere Regierungsinitiativen wie die “Hightech Agenda Bayern” wurden in den letzten Monaten ausgebaut, doch drängen Stimmen aus Start-up-Kreisen auf mutigere Programme und eine radikale Entbürokratisierung. Zugleich steigen die geopolitischen Risiken – Lieferengpässe, Handelskonflikte und internationale Technologiekriege verschärfen den Handlungsdruck: Wer jetzt nicht handelt, könnte für Jahre den Anschluss verlieren. Laut taz steht etwa die ‘Mission KI’ im Mittelpunkt derzeitiger politischer Debatten, dabei wird deutlich, dass Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin zu wenig private Investitionen anzieht. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über den schleppenden Ausbau von Chipfabriken und den zunehmenden Wettbewerb insbesondere durch amerikanische und asiatische Firmen, die zunehmend Schlüsseltechnologien nach Europa exportieren. Die FAZ hebt hervor, dass deutsche Forschungseinrichtungen zwar gut sind, aber Schwierigkeiten haben, ihre Entdeckungen schnell marktfähig zu machen – eine offene Flanke, die ausländische Unternehmen clever nutzen.

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