Dunkelfeldstudie legt Missstände bei Gewalt offen – Forderungen nach echten Änderungen

Die Veröffentlichung der neuen Dunkelfeldstudie zu Gewalt hat die Debatte um notwendige Konsequenzen erneut entfacht. Insbesondere der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe fordert deutlich mehr und besser finanzierte Unterstützung für Betroffene.

heute 15:46 Uhr | 4 mal gelesen

„Um ehrlich zu sein: Wer die aktuelle Lage betrachtet, sieht deutlichen Handlungsbedarf“, so Claudia Igney vom BFF in einem Interview mit der Funke Mediengruppe. Das Gewalthilfegesetz, das ab 2032 einen rechtlichen Anspruch auf Unterstützung für von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Frauen vorsieht, sei ein Anfang – mehr aber auch nicht. Igney betonte, wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz sei; Prävention, Opferschutz, Täterprogramme und Fortbildungen für alle Beteiligten müssten endlich verzahnt werden. "Bemerkenswert wenig Taten schaffen es überhaupt in die Polizeiberichte, laut der Studie sind es gerade mal etwa fünf Prozent", erklärt Igney weiter: Deshalb bräuchte es leicht erreichbare Beratungsstellen, die wirklich auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen, oft auch erst, wenn das Geschehene überhaupt verarbeitet werden kann. Kürzlich erlitt eine Freundin in meinem Bekanntenkreis so eine Situation – und zeigte: Manchmal hilft schon ein Ort für das erste Gespräch, noch bevor offizielle Schritte folgen. Speziell Partnerschaftsgewalt stelle riesige Hürden: Kontaktverbote oder ein temporäres Untertauchen bei Freunden können zunächst retten, aber auch im Nachgang sind geregelte nächste Schritte, etwa bei gemeinsamen Kindern, unverzichtbar. Hier wäre es wichtig, wenn beispielsweise medizinisches Personal oder Pädagog:innen rechtzeitig Hilfestellung geben könnten – also: Schulungen auf breiter Ebene wären dringend fällig. Interessant ist übrigens, dass laut Igney besonders junge Menschen auffällig häufig betroffen seien – und dass Prävention eigentlich vorm Schulabschluss längst anfangen sollte. Strukturelle Machtgefälle, finanzielle Abhängigkeiten und gesellschaftliche Ungleichheiten treiben die Gewalt einerseits an, verhindern aber auch, dass Betroffene sich lösen können. "Klar, an einigen Stellen wird schon gearbeitet – aber viel zu zaghaft", findet Igney, "Hilfe muss immer Priorität sein. Nicht nur dann, wenn es gerade wieder in die Schlagzeilen rückt." Auch Britta Haßelmann von den Grünen äußerte sich: "Deutschland hat ein massives Problem mit Gewalt, vor allem gegen Frauen – das zeigen diese Befunde überdeutlich." Es sei Zeit, dass die Regierung nicht nur verspricht, sondern auch handelt: "Schutz, Anlaufstellen und Schutzräume müssen gestärkt werden, ebenso wie das gesellschaftliche Signal: Gewalt ist niemals geduldet, gegen niemanden." Ehrlich gesagt, wenn ich das alles lese, frage ich mich: Reichen neue Gesetze ohne konsequente Umsetzung? Die Zweifel bleiben. Aber vielleicht ist gerade dieses bohrende Gefühl nötig, damit sich wirklich etwas bewegt.

Die Dunkelfeldstudie deckt ein viel größeres Ausmaß von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt auf, als es die offiziellen Zahlen vermuten lassen würden: Weniger als fünf Prozent der Vorfälle werden überhaupt aktenkundig. Neben dem geplanten Rechtsanspruch auf Hilfe ab 2032 im Rahmen des Gewalthilfegesetzes fordern Beratungsstellen und Politiker:innen einen massiven Ausbau und eine bessere Finanzierung aller Hilfs- und Präventionsangebote – von Frühprävention bis Täterarbeit. Nach aktuellem Stand gibt es trotz Fortschritten wie dem Gewalthilfegesetz erhebliche Lücken: Niedrigschwellige Hilfen, gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung und konkrete Schulungen aller Berufsgruppen bleiben zentrale Baustellen. Neue Berichte betonen übrigens, dass auch queere Menschen in besonderer Form betroffen sind und fordern größere gesellschaftliche und politische Anstrengungen, die UN-Frauenrechtskonvention konsequent in allen Bundesländern umzusetzen. Die mediale Debatte um Missbrauch und Gewalt an Frauen und Minderheiten hat nach Veröffentlichung der Studie bundesweit für Aufsehen gesorgt, gerade weil so viele Fälle im Verborgenen bleiben. Viele Stimmen, etwa aus Frauenhäusern, warnen zusätzlich vor überlasteten Strukturen angesichts steigender Fallzahlen und sehen Bund und Länder in der Pflicht, rasch zu handeln.

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