Partnerschaftsgewalt bleibt oft verborgen – LeSuBiA-Studie deckt große Lücke zwischen Betroffenheit und Unterstützung auf

Berlin/Dresden – Die neue Dunkelfeldstudie 'LeSuBiA' offenbart: Frauen und Männer sind in Beziehungen erschreckend häufig mit psychischer und körperlicher Gewalt konfrontiert. Frauen trifft es zwar schwerer und öfter, doch unabhängig vom Geschlecht bleibt der größte Teil der Gewalt im Verborgenen – nur ein Bruchteil der Betroffenen sucht offizielle Hilfe.

heute 15:39 Uhr | 2 mal gelesen

Enrico Damme von der BFKM unterstreicht: „Wer auch nur ahnt, innerhalb der eigenen Beziehung Opfer von Gewalt zu sein, sollte sich frühzeitig Unterstützung holen. Ob übers Männer- oder Frauenhilfetelefon, durch Beratung vor Ort oder indem man Geschehenes dokumentiert – jede Form der Selbstabsicherung zählt. Gerade diese Dokumentationen helfen bei einer Anzeige, zu der wir deutlich raten.“

Die jüngste Erhebung zeigt drastisch: Der Schritt zur Polizei ist für die meisten enorm groß – 95 Prozent der Opfer gehen nicht zur Anzeige. Selbst bei direkter körperlicher Gewalt melden nur etwa drei Prozent den Vorfall.

Clemens Göhler von der BFKM betont: „Deutschland steht klar in der Pflicht, das Hilfesystem für Gewaltopfer breiter aufzustellen. Das greift nicht nur für Frauen, sondern ausdrücklich für Männer. Noch finden Männer viel zu selten Beratung und Schutz – das muss sich dringend ändern, und zwar schon bis 2027, so fordern es EU-Richtlinien.“

Laut Damme fehlt es nach wie vor an ausreichenden Angeboten, besonders für Männer – ihre Möglichkeiten sind oft regional begrenzt oder schlicht nicht bekannt. Das ändert aber nichts daran, dass Frauen in puncto Häufigkeit und Schwere der Gewalterfahrungen noch immer stärker betroffen sind. Am Ziel sind die Hilfesysteme längst nicht – sie brauchen dringend Ausbau, und zwar geschlechterübergreifend.

Erschreckend: Fast jede zweite Frau und vier von zehn Männern kennen psychische Gewalt in Partnerschaften aus eigener Erfahrung. Gut 16 Prozent der Befragten berichten von körperlicher Gewalt. Rückblickend auf die letzten fünf Jahre sind es immerhin 5,7 Prozent – Frauen sind insgesamt häufiger betroffen, doch unter den Fällen der letzten Jahre liegt der Männeranteil fast gleichauf, sogar leicht darüber.

Wichtig ist: Frauen berichten nicht nur von höheren Fallzahlen, sondern auch von gravierenderen Folgen, größerer Angst und besonderer Schwere bei Übergriffen.

Weitere Details zur LeSuBiA-Studie

Soforthilfe:

  • Männer finden Rat beim Männerhilfetelefon unter 0800 1239900 oder direkt per Chat auf www.maennerhilfetelefon.de
  • Für Frauen: Das Hilfe-Telefon „Gewalt gegen Frauen“ – 24h, anonym, in 19 Sprachen, 116 016, hilfetelefon.de
  • WEISSER RING: Unterstützung für Opfer von Gewalt, Telefon 116 006 oder weisser-ring.de

Pressekontakt:
Dr. Annalena Schmidt
Erna-Berger-Str. 17, 01097 Dresden
Tel.: 0351-30916416, Mobil: 0173-5359215
Mail: annalena.schmidt@maennergewaltschutz.de

Die LeSuBiA-Dunkelfeldstudie wirft einen ungeschönten Blick auf das Ausmaß von Gewalt in Partnerschaften in Deutschland – bemerkenswert ist dabei, dass sowohl Frauen (fast 49 Prozent) als auch Männer (etwa 40 Prozent) psychische Gewalt erleben, während körperliche Gewalt insgesamt seltener, aber bei Frauen schwerwiegender ist. Die Diskrepanz zwischen erlebter und angezeigter Gewalt bleibt frappierend: Trotz hoher Betroffenheit unternehmen nur etwa 5 Prozent der Opfer tatsächlich rechtliche Schritte, was vor allem auf Scham, Angst oder fehlende Information über Hilfsangebote zurückzuführen ist. Die EU verlangt von Deutschland bessere Schutzmaßnahmen bis 2027, doch bislang fehlt es an flächendeckenden, bedarfsorientierten Angeboten – besonders für männliche Opfer, aber nicht minder für Frauen, die nach wie vor überproportional unter der Schwere von Gewalt leiden. Aktuelle Recherchen heben hervor, dass sich die Situation in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich darstellt: Manche Regionen beginnen mit Modellprojekten für Männerschutzwohnungen, während andere noch am Aufbau grundlegender Strukturen arbeiten. Öffentliche Debatten regen dazu an, traditionelles Rollenverständnis und Stigmatisierung von männlichen Opfern zu überdenken, um den Zugang zu Hilfe zu erleichtern. Trotz zunehmendem politischen Druck sind nachhaltige Verbesserungen aktuell nur langsam sichtbar – insbesondere in ländlichen Gebieten mangelt es an spezialisierter Unterstützung, und Präventionsarbeit steckt vielerorts noch in den Kinderschuhen.

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