Wenn ich ehrlich bin, überrascht mich die neue Ifo-Prognose nicht. Deutschlands Wirtschaft taumelt schon länger durch ein Dickicht aus steigenden Energiepreisen und fragwürdiger Energiepolitik – so argumentiert jedenfalls Tino Chrupalla, der als Chefsprecher der AfD gern Klartext redet. Für ihn ist die Ampel-Regierung schlicht überfordert und eigentlich – das spürt fast jeder im Alltag – ändert auch ein noch so großes Schuldenpaket am Grundproblem wenig. Chrupalla besteht darauf: Ohne einen breiten Mix aus Energiequellen, inklusive neuer (manche sagen: riskanter) Kernkraft-Technologien, ist unser Industrieland nicht zukunftstauglich. So weit, so bekannt, vielleicht sogar ein bisschen altbacken. Aber was er hervorhebt: Versorgungssicherheit, niedrige Preise und Wirtschaftskraft gibt es nun mal nicht zum Nulltarif. Und ein solches Energieprojekt, sagt er, müsse weit über Parteigrenzen hinaus gepflegt werden – 2050 als Zielmarke. Ob das eine kühn visionäre Vorgabe oder Wunschdenken ist, bleibt offen – doch der Pragmatismus in der Forderung klingt nach 1980er Jahre und Zukunft zugleich. Ach so, wer es wissen will: Die AfD nimmt gern Kontakt auf, Presseanfragen werden in Berlin beantwortet, vermutlich mit ähnlich klaren Statements.
Tino Chrupalla nutzt die wirtschaftliche Flaute laut Ifo-Prognose als Aufhänger, um die aktuelle Energiepolitik zu kritisieren und für einen Energiemix einzutreten, der insbesondere die Rückkehr zur Kernenergie betont. In Deutschland stehen derzeit Fragen nach der Versorgungssicherheit und der Zukunft der Energieversorgung besonders im Brennpunkt – die Bundesregierung hält unbeirrt am Ausstieg aus der Atomkraft fest, debattiert werden stattdessen alternative Lösungen wie Wasserstoff, erneuerbare Energien und günstigere Importoptionen. Die AfD versucht, die Verunsicherung im Mittelstand und bei Industrien für ihre Agenda zu nutzen, bleibt mit dem Vorstoß für Kernenergie aber nach wie vor isoliert – während die Debatte um steigende Preise, künftige Energiepartnerschaften und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft weiter hitzig geführt wird.