Ein Riss durch die Linke: Pro-Palästina vs. Pro-Israel in Leipzigs Szeneviertel

Ein trotziges Unbehagen durchzieht Leipzigs linke Szene – die MDR-Reportage „exactly“ gräbt tief in den Gräben einer Bewegung, in der ehemals Gleichgesinnte nun mit harten Bandagen gegeneinander streiten. Die Gruppierung Handala steht dabei im besonderen Fokus, ebenso wie die Erfahrungen jüdischer Studierender. So viel vorab: Der Nahostkonflikt ist längst ein lokal entbrannter Nervenkrieg.

heute 10:45 Uhr | 2 mal gelesen

Eigentlich kennt man Connewitz als sympathisch-wilden Brennpunkt linker Politik – Graffiti, alternatives Leben, ein bisschen Gegenwind für die Staatsmacht. Doch als im Januar am Marktplatz Demonstrierende für und wider die israelische Politik aufeinandertrafen, flogen keine Flaschen, sondern Worte wie scharfe Projektile. Ein Protest gegen den Krieg im Nahen Osten reibt sich an den Fronten, die sich auch unter Genoss*innen auftun. Zwischen Slogans, Transparenten und Polizeiketten sitzt die Angst mit: Jüdische Studierende, so berichten es Beteiligte, fühlen sich zunehmend bedroht, gleichsam verantwortlich gemacht für die Entscheidungen Israels seit Oktober 2023. Die Linkspartei setzt sich Distanzierungsbeschlüsse selber, während in ihrem inneren Zirkel längst nicht mehr alle dieselbe Sprache sprechen. Gruppen wie Handala, von Behörden als extremistisch eingestuft, werden zur Zerreißprobe. Die Reportage fängt dieses fragile Gleichgewicht ein: Keine Scherben, aber überall Risse. Und die eigentliche Frage bleibt offen im Raum: Wie viel Spaltung hält diese Szene aus?

Die MDR-Reportage 'exactly' beleuchtet die innerlinken Spannungen in Leipzig, ausgelöst durch unterschiedliche Haltungen zum Nahostkonflikt, und gibt seltene Einblicke in politische Radikalisierung – insbesondere durch Gruppen wie Handala. Auffällig ist, wie sich klassische linke Solidaritätsstrukturen verschieben und sich in öffentlichem Protest wie auch im Alltag widerstreitende Narrative offenbaren, die jüdische Teilnehmer verstärkt in Bedrängnis bringen. Erst kürzlich berichteten auch taz, Zeit und Süddeutsche von fortgesetzten Debatten um Antisemitismus, den Umgang der Partei Die Linke mit pro-palästinensischen Aktionsgruppen und den gesellschaftlichen Druck auf Minderheiten, was bestätigt, dass die Risse auch bundesweit spürbar sind. Zusätzlich wird in den aktuellen Artikeln diskutiert, wie progressive Bewegungen angesichts polarisierender Weltpolitik in Deutschland ihre Grundwerte und ihre Außenwirkung neu aushandeln – nicht selten mit schmerzhaften Kontroversen und Brüchen.

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