EU drängt Snapchat wegen möglicher Verstöße gegen Kinderschutz härter in die Ecke

Im Schatten strengerer Digitalgesetze will die EU-Kommission jetzt ganz genau wissen, wie Snapchat eigentlich mit minderjährigen Nutzenden umgeht.

heute 12:54 Uhr | 3 mal gelesen

Donnerstagmorgen in Brüssel: Die EU-Kommission teilt mit Nachdruck mit, dass sie Snapchat offiziell ins Visier nimmt. Der Verdacht? Snapchat könnte gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen haben – und zwar in Punkten, die nicht gerade als Kavaliersdelikte gelten. Es geht um den Verdacht, minderjährige Nutzerinnen und Nutzer nicht entschieden genug vor Online-Grooming oder gar vor krimineller Anwerbung geschützt zu haben. Mehr noch: Die Plattform steht im Verdacht, als Marktplatz für illegale Waren – Stichwort Drogen, Vapes oder Alkohol – zu dienen. Besonders beleuchtet wird dabei das Thema Alterskontrolle. Laut Snaps eigenen Bedingungen darf man dort erst ab 13 Jahren mitmischen. Aber hier scheint die Methode der reinen Selbstauskunft wenig zu taugen, zumindest aus Sicht der Kommission: Wer verhindern will, dass Kids unter 13 die Plattform nutzen, muss mehr tun als nur die richtige Zahl abfragen. Auch die Sache mit den Privatsphären-Einstellungen für junge Menschen sorgt für Stirnrunzeln in Brüssel – offenbar seien Kontakt- und Sicherheitsoptionen zu lasch. Die Behörde legt den Fokus außerdem auf ganz praktische Fragen: Wie einfach lassen sich illegale Inhalte überhaupt finden und melden? Und geht Snap damit ausreichend konsequent um? Nun steht eine gründliche Prüfung ins Haus. "Snap! Mehr Verantwortung!" – so ungefähr klingt die Botschaft von Kommissions-Vize Henna Virkkunen (vielleicht nicht wortwörtlich, aber vom Tonfall her). Sie will penibel kontrollieren lassen, inwieweit Snapchat seine Nutzerinnen und Nutzer, vor allem aber Kinder und Jugendliche, tatsächlich schützt.

Die EU-Kommission hat ein offizielles Prüfverfahren gegen Snapchat eröffnet. Hintergrund ist der Verdacht, dass das Unternehmen Kinder auf seiner Plattform unzureichend vor sexueller Anmache, kriminellen Angeboten und potenziell gefährlichen Inhalten schützt. Besonders kritisch sieht Brüssel vor allem die Alterskontrolle, da Snapchat Kindern per einfacher Selbstauskunft das Anlegen eines Kontos ermöglicht. Auch der Umgang mit illegalen Angeboten – etwa illegaler Drogenkauf oder verbotene Produkte – wird auf Herz und Nieren geprüft. Im Rahmen des Digital Services Act (DSA) müssen Plattformen wie Snapchat nämlich nachweisen, dass sie Minderjährige konsequent schützen, sonst drohen empfindliche Strafen. Interessanterweise steht Snapchat mit diesen Vorwürfen nicht allein da: Erst im April hatte die EU ähnliche Überprüfungen bei TikTok angestoßen. Ein weiteres Detail aus den aktuellen Medienmeldungen: Snapchat beteuert öffentlich, eng mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten und bereits umfassende Schutzmechanismen implementiert zu haben. Allerdings hegen Verbraucherschützer und Kinderschutzorganisationen Zweifel an der Wirksamkeit dieser Maßnahmen und fordern deutlich mehr Transparenz sowie Kontrollen. Wer das Thema verfolgt, merkt: Die Diskussion um Sicherheit und Plattformverantwortung heizt sich gerade erst so richtig auf.

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