Christian Dürr, der Vorsitzende der FDP, findet: Weniger Chaos, mehr Profil. In seinem selbstkritischen Manifest "Die FDP muss sich entscheiden" fordert er, die Partei müsse alte Gewohnheiten ablegen und Rückgrat zeigen – speziell in Wirtschaftsfragen. Andere Themen? Ja, sie sollen, wenn nötig, in den Hintergrund treten. Wirtschaftliche Freiheit, sagt Dürr, betrifft eben nicht nur Betriebe, sondern jeden Einzelnen. Das klingt im ersten Moment wie ein alter liberaler Hut – aber Dürr setzt noch einen drauf: Der historische Kontext, so argumentiert er, verlangt nach Klarheit, und die findet er im wirtschaftlichen Liberalismus. Interessanterweise lässt er dabei nicht aus, dass die FDP aktuell schwächelt – was ihm selbst Kritik einbringt. Das Bundesvorstandsteam soll demnächst abtreten, Dürr will dennoch als Vorsitzender wieder antreten, während schon ein Rivale in Stellung steht. Aus eigenem Scheitern macht er in seinem Papier keinen Hehl: Die Kommunikation habe er schleifen lassen, das Profil der FDP liege im Nebel. Das will er ändern – und sogar eine Agentur für bessere Kommunikation einspringen lassen. Exemplarisch zeigt er an der Migrationspolitik, wie die neue Ausrichtung aussehen soll: willkommen jene, die arbeiten wollen; weniger Toleranz gegenüber Missbrauch – letzteres legt er kontrovers dar. Unterm Strich bleibt bei ihm der Wunsch, wieder einen klaren Markenkern zu schaffen, wie es die FDP in der Vergangenheit schon einmal geschafft habe.
Christian Dürr will die FDP kompromissloser auf wirtschaftliche Themen zuspitzen, weil er darin den Schlüssel zum Wiedererstarken seiner Partei sieht. Mit seither ungewohnter Offenheit gibt er eigene Schwächen zu und fordert einen organisatorischen Neustart, um klare Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen – insbesondere Migration und demographischer Wandel – zu liefern. Laut aktuellen Berichten und Stimmen aus Politik und Medien bringt das Manifest Bewegung, aber auch scharfe Diskussionen: Der angekündigte personelle Umbruch und die Fokussierung auf Wirtschaft werden innerhalb der FDP und in der Öffentlichkeit kontrovers aufgenommen, weil zentrale Felder wie Bildung, Digitales und soziale Themen dabei an den Rand gedrängt werden könnten. Recherchen zeigen, dass viele Experten den Versuch würdigen, der FDP ein unverwechselbares Profil zu geben, während andere davor warnen, Wählerinnen und Wähler, etwa mit sozialliberalen Anliegen, zu verlieren. Die Diskussion um Migrationspolitik bleibt besonders heikel – sowohl in der Partei als auch darüber hinaus, da extreme Positionierungen schnell neue Gräben schaffen könnten.