Five Eyes: Chinesische Spionage nutzt Linkedin als Einfallstor

Die „Five Eyes“-Geheimdienste veröffentlichen eine Warnung zu chinesischer Geheimdienstaktivität auf beruflichen Plattformen.

heute 07:10 Uhr | 3 mal gelesen

Zum ersten Mal ziehen die Sicherheitsorgane der USA, Großbritanniens, Australiens, Kanadas und Neuseelands an einem Strang: In einer gemeinsamen Erklärung machen sie publik, dass der chinesische Geheimdienst besonders digitale Jobbörsen wie Linkedin ins Visier nimmt, um geheime Daten abzugreifen. Wer es nicht erwartet hätte – selbst auf den ersten Blick unscheinbare Kontaktanfragen können Risiken bergen. Die Behörden sprechen von konzertierten Versuchen, Angehörige von Regierung, Militär und alle mit sensiblen Zugängen unter dem Deckmantel angeblicher Jobs oder Beratungsaufträge anzuwerben. China – wenig überraschend – reagiert empört und wirft den westlichen Diensten Doppelmoral und Desinformation vor. Im Bulletin „Safeguarding Our Secrets“ wird beschrieben, dass sich Tarnpersonen als Headhunter oder Thinktanks ausgeben, um Kandidat:innen zu ködern, die insgeheim unter Druck gesetzt werden, interne Informationen zu liefern. Besonders gefragt sind Zugriff auf politische Strategien, Technologietrends oder scheinbar harmlose Hintergrunddaten. Oft werden besonders Personen mit Geheimhaltungsstufe, Angehörige von Verteidigungsorganisationen, also speziell auch aus dem Indopazifik, angesprochen – aber nicht nur: Auch Wissenschaftler und Journalistinnen können ins Fadenkreuz geraten. Die Kommunikation startet über Half-Profession-Profile auf Linkedin, Indeed und Co., verlagert sich dann allerdings meist auf sichere Chatdienste. Die Bezahlung? Ein paar Hundert bis mehrere Tausend Dollar pro Bericht – abhängig vom Brisanzgrad der gelieferten Informationen. Die Behörden warnen: Auch scheinbar harmlose Daten, kombiniert mit anderem Wissen, können ein Gesamtbild ergeben, das zu echten Problemen führt. Verdeckte Fälle haben laut den Diensten schon zu Menschen vor Gericht, Jobverlust und Entzug der Sicherheitsfreigabe geführt. Ein simples „Das passiert anderen“ ist kein ausreichender Schutz.

Die Warnung der Five Eyes-Allianz markiert einen neuen Schritt der internationalen Zusammenarbeit gegen Wirtschaftsspionage. Erst seit wenigen Monaten warnen westliche Dienste wieder verstärkt vor digitalen Methoden chinesischer Spionage; vor allem professionelle Soziale Netzwerke stehen im Fokus. Die Vorgangsweise – gezielte Ansprache von Wissensträgern, Ablenkungsmanöver mit gefälschten Identitäten und psychologischer Druck – ist dabei durchaus raffiniert. Betroffene Plattformen wie Linkedin haben angekündigt, ihre Schutzsysteme nachzubessern, sehen sich jedoch angesichts der Menge gefälschter Profile oft überfordert. Gleichzeitig bleibt die politische Debatte um Gegenspionage, wirtschaftliche Abhängigkeit und digitale Selbstverteidigung in den westlichen Demokratien aufgeladen. Eine effektive Gegenstrategie erfordert nicht nur technische Lösungen, sondern auch Sensibilisierung, kritisches Nachdenken und einen offenen Diskurs über nationale Souveränität im Digitalen. Tatsächlich gab es bereits Festnahmen in Zusammenhang mit chinesischen Spionageaktivitäten in westlichen Staaten. Auffällig: Die Vorwürfe werden von China scharf zurückgewiesen, was die diplomatischen Spannungen zusätzlich erhöht. Auf kontinuierliche Innovation im Bereich der IT-Sicherheit und bessere internationale Abstimmung kommt es künftig mehr denn je an.

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