Kritik an "Sonderbehandlung" für Arzneimittelhersteller: GKV mahnt wirksame Sparmaßnahmen an

Inmitten der Diskussion um die geplante Reform für die gesetzliche Krankenversicherung warnt Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband davor, die Pharmaindustrie bei Einsparungen zu verschonen. Arzneimittel seien der zweitgrößte Ausgabeposten und bräuchten deutlich mehr Kostenkontrolle.

heute 06:56 Uhr | 5 mal gelesen

Wenn ich mir anschaue, wie die Politik aktuell mit der Pharmaindustrie bei der anstehenden Gesundheitsreform umgeht, komme ich nicht um ein gewisses Stirnrunzeln herum. Die stellvertretende GKV-Vorsitzende Stoff-Ahnis trifft da einen wunden Punkt: Arzneimittel – nach den Klinikkosten immerhin der zweitgrößte Batzen im GKV-System – werden für die Beitragszahler immer teurer. Während die Pharmaunternehmen also Rekordgewinne einfahren, läuft die Solidargemeinschaft Gefahr, unter den ständig steigenden Medikamentenausgaben zu ächzen. Mich wundert vor allem, warum der aktuelle Gesetzesentwurf die Sparanforderungen für die Branche im Vergleich zu den Empfehlungen der Gesundheitsfinanzkommission so zurückfährt. Die Zahlen sind ohnehin ein Alarmzeichen: Von 2012 bis 2025 werden die Arzneimittelausgaben von 27 auf satte 59 Milliarden Euro ansteigen – ein Plus von 118 Prozent. Und jetzt? Die geplante Reform erinnert beinahe an eine sanfte Brise, wo ein kräftiger Wind nötig wäre. Wer darauf verzichtet, den dynamischen Herstellerabschlag einzuführen – im Kern eine Art Schutzmechanismus für Beitragszahler:innen – nimmt steigende Beiträge für Versicherte und Unternehmen billigend in Kauf. Für mich stellt sich die Frage, wie lange das noch in dieser Form gutgehen kann. Der Widerstand aus der Pharmaindustrie ist verständlich, aber irgendwann muss jemand die Rechnung bezahlen, und das sind – wenig überraschend – wir alle mit unseren Beiträgen.

Der GKV-Spitzenverband warnt, dass die vom Gesundheitsministerium geplante Reform der Krankenkassenfinanzierung ein zu mildes Vorgehen gegenüber der Pharmaindustrie bedeutet. Die Ausgaben für Arzneimittel haben sich binnen 13 Jahren mehr als verdoppelt und drohen die Krankenkassenbeiträge für Versicherte wie Arbeitgeber in die Höhe zu treiben. Im Zentrum der Kritik steht die Weigerung, einen dynamischen Herstellerrabatt einzuführen, den die Branche ablehnt – dabei sehen Experten dies als notwendigen Schritt, um die Beitragszahler vor weiteren Belastungen zu schützen. Ergänzend zeigt die aktuelle Berichterstattung, dass der Streit zwischen Politik, Kassen und Pharmaunternehmen an Schärfe zunimmt: Die Krankenkassen verlangen seit Monaten umfassendere Sparanstrengungen, doch die pharmazeutische Industrie verweist auf gestiegene Forschungs- und Produktionskosten, die sich durch weitere Rabatte negativ auf Versorgungssicherheit und Innovationen auswirken könnten. Laut Fachmedien warnen manche Experten vor ungewollten Nebenwirkungen drastischer Sparmaßnahmen – etwa drohenden Lieferengpässen bei wichtigen Arzneimitteln. Dennoch bekräftigen viele Stimmen aus dem Kassensektor, dass ohne strukturelle Eingriffe und einen angemessenen Kostenbeitrag der Industrie das solidarische System der GKV mittelfristig gefährdet ist. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte laut Presseberichten noch für die nächsten Wochen Nachbesserungen des Reformpakets an.

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