Gewalt gegen Frauen – ein Schlagwort, das leicht gesagt ist, doch hinter dem oft ein Strudel aus Unsichtbarkeit lauert. Larissa Fink, frischgebackende Absolventin aus der Sozialen Arbeit in Eisenstadt, hat sich mitten in diesen Strudel begeben. Ihre Bachelorarbeit, die mit dem Burgenländischen Hochschulpreis ausgezeichnet wurde, blickt dorthin, wo Unterstützung nicht automatisch ankommt – zu den Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung.
Es klingt vielleicht wie ein Allgemeinplatz, aber: Viele der betroffenen Frauen greifen nicht nach der Hilfe, die sie so dringend bräuchten. Die Gründe dafür? Vielschichtig, verworren und oft erschütternd simpel zugleich. Sprachliche Hürden, das Fehlen verständlicher Informationen (womöglich der einzige Zettel auf Deutsch in einem Wirrwarr von Ängsten), ein Mangel an niedrigschwelligen Angeboten – all das macht den Schritt zur Hilfe zu einem Sprung ins Unbekannte. Und dann die ständige Unsicherheit: Was geschieht mit meinem Aufenthaltsstatus, wenn ich mich öffne? Darf ich überhaupt aufs Frauenhaus hoffen, wenn mein Pass nicht das richtige Siegel trägt?
Hinzu kommt eine tiefe Skepsis: Manche haben gelernt, staatlichen Stellen nicht zu trauen, egal wie offen die Tür scheint. Dazu gesellen sich eigene Prägungen und familiäre Loyalitäten wie unsichtbare Ketten. Kurz: Die Stolpersteine vor dem „Aussteigen“ aus gewaltvollen Beziehungen sind oft so hoch wie eine unüberwindbare Mauer.
Fink hat mit Sozialarbeiter*innen gesprochen und das Meinungsspektrum danach sortiert: Als Helferin oder Helfer wünscht man sich, empowernd und sensibel zu agieren – aber zwischen Anspruch und Realität klaffen Gräben. Diskriminierende Strukturen, subtile Ausgrenzungsmechanismen und die stete Reproduktion von „Wir und Ihr“ lassen sich nicht so einfach ablegen wie ein altes Kleidungsstück. Und dann die Überforderung: Von Sozialarbeiter*innen wird erwartet, alles zu sein. Übersetzerin, Brückenbauerin, Anker und Aktivistin. Nicht selten bleibt da am Ende nur Frust – wegen fehlender Zeit, zu kleiner Teams, zu viel Verantwortung und zu wenig Veränderung.
Am Ende klingt aus Finks Worten ein erdiger, pragmatischer und auch politischer Lösungsvorschlag: Mehr interkulturelle und gendersensible Teams. Weniger institutionelle Allmacht. Angebote, die so wenig Barrieren wie möglich aufbauen. Und verbindliche Schulungen, damit Rassismus und Traumafolgen kein blinder Fleck mehr bleiben. Selbstverständlich? Eher Wunschdenken – aber eines, das den Finger in die richtige Wunde legt.
Was zählt, ist Solidarität. Und dass wir lernen, Unterschiede als Ressource zu lesen, nicht als Gegenargument. Die Soziale Arbeit kann da eine Rolle spielen. Aber nur, wenn alle – auch die Politik – mitmachen.
Übrigens: Wer sich für den Studiengang interessiert, findet alle Infos auf der Website der Hochschule Burgenland. Die Ausbildung zur Sozialarbeiterin oder zum Sozialarbeiter dauert sechs Semester, ist berufsfreundlich organisiert und legt besonderen Wert auf Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.
Die Bachelorarbeit von Larissa Fink veranschaulicht eindrücklich die komplexen Barrieren, auf die gewaltbetroffene Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung in Österreich stoßen. Häufig verhindern Sprache, unzureichende Informationen, rechtlicher Status und das tiefe Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen den Zugang zu Schutz und Unterstützung. Auch Sozialarbeitende geraten in einen Spagat zwischen idealistischer Hilfeleistung und institutionellen Begrenzungen, angesichts von Diskriminierung, begrenzten Ressourcen und widersprüchlichen Erwartungen. Fink plädiert für grundlegende Veränderungen, wie interkulturelle Teams, mehrsprachige Angebote, verpflichtende Fortbildungen und mehr Partizipation von Betroffenen, um Empowerment wirklich zu ermöglichen. Zusätzlich wird in aktuellen deutschen Medien verstärkt auf die steigende Zahl von Femiziden und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Debatten aufmerksam gemacht, zum Beispiel durch Demonstrationen und Forderungen nach politischem Handeln (Quelle: ZEIT ONLINE), während Hilfsorganisationen wiederholt auf bürokratische Hürden für Migrantinnen in Schutzsystemen hinweisen (Quelle: DW). Schließlich entwerfen verschiedene Untersuchungen neue Konzepte, um Frauen mit Migrationsgeschichte niedrigschwelliger zu unterstützen, etwa über Peergroups oder mobile Teams – ein Trend, der auch in internationalen Studien wahrgenommen wird (Quelle: SPIEGEL ONLINE).