Friedrich Merz poltert gegen „Work-Life-Balance“ bei Unternehmergipfel

CDU-Vorsitzender Friedrich Merz fordert vor Wirtschaftsvertretern mehr Arbeitseinsatz – und attackiert die Grenze von Arbeits- und Privatleben.

heute 18:44 Uhr | 3 mal gelesen

„Wer glaubt, mit Work-Life-Balance und der 4-Tage-Woche den Wohlstand in Deutschland halten zu können, der irrt sich gewaltig!“, ließ Merz am Mittwoch in Halle (Saale) verlauten. Die Miene ernst, das Publikum: Unternehmer. Seine Argumentation schwang dabei zwischen bissigem Humor und harscher Kritik. In einem Nebensatz zum Thema Rente meinte er, das Land bestehe nicht nur aus Handwerkern wie Dachdeckern oder Fliesenlegern – will sagen: Es gäbe viele, die länger und mehr arbeiten könnten. Andere Länder, etwa die Schweiz, brächten das schließlich auch fertig, so Merz; und angewandte Genetik, nun ja, sehe er kein Hindernis. Daneben monierte er die hohe Steuerlast und kritisierte die Arbeitskosten als zu üppig. Was die wirtschaftliche Stimmung betrifft, gab er sich halbwegs hoffnungsvoll: Trotz der zurückliegenden Rezessionsjahre sinke die Inflation, neue Jobs tauchten auf – auch, wenn anderswo welche verschwinden. Die große Devise beim CDU-Chef: Das Land muss schleunigst „wieder in Schwung kommen und sich im Wettbewerb behaupten“. Dass diese Ansichten nicht überall auf ein zustimmendes Nicken treffen, dürfte Merz natürlich ahnen – aber die zugespitzte Wortwahl wirkt durchdacht kalkuliert.

Friedrich Merz bezog bei einem Treff mit Unternehmern in Halle klar Stellung gegen wachsende Ansprüche auf eine bessere Balance zwischen Leben und Arbeit sowie die Idee einer 4-Tage-Woche. Seiner Ansicht nach gefährden solche Trends den wirtschaftlichen Wohlstand Deutschlands. Gleichzeitig verwies er auf vergleichbare Länder wie die Schweiz, wo offenbar mehr gearbeitet werde, und sprach sich für niedrigere Steuern und Lohnnebenkosten aus. In den aktuellen Medien wurde diese Debatte hitzig weitergetragen: Viele Arbeitnehmer fordern längst flexible Modelle, während laut Umfragen Fachkräftemangel und Überlastung stark zunehmen – insbesondere im Gesundheits- und Erziehungsbereich (vgl. Zeit Online, Deutschlandfunk). Interessanterweise zeigen erste betriebliche Versuche der 4-Tage-Woche in Deutschland gemischte Ergebnisse, bei denen nicht nur die Produktivität, sondern auch die Zufriedenheit deutlich gestiegen ist. Ökonomen warnen jedoch davor, den Zusammenhang zwischen reiner Arbeitszeit und Wohlstand zu vereinfachen; Innovation und Arbeitsqualität seien mindestens ebenso entscheidend.

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