Wohin unsere Secondhand-Kleidung wirklich verschwindet – Neue SWR-Doku deckt auf

Mainz – Was passiert eigentlich mit den alten Jeans, T-Shirts und Jacken, die wir über Secondhand-Plattformen wie Sellpy ausmisten? Ab dem 5. März 2026 spürt das ARD-Format "team.recherche" genau diesen Fragen nach – und kommt dabei brisanten Ungereimtheiten auf die Spur.

heute 07:04 Uhr | 2 mal gelesen

Secondhand – klingt immer ein wenig nach gutem Gewissen und Kreislaufwirtschaft. Doch die Wirklichkeit hinter den nachhaltigen Versprechen etlicher Marktplätze, etwa Sellpy (übrigens mehrheitlich H&M), sieht stellenweise düsterer aus als erwartet. Ein Rechercheteam des SWR hat zwölf Kleidungsstücke mit GPS-Trackern versehen und diese bei Sellpy eingespeist – was dann folgte, liest sich wie ein Roadmovie ohne Happy End. Die Sachen tingelten quer durch Europa, wechselten zwielichtige Zwischenhändler, landeten etwa auf einem polnischen Autoersatzteilhof oder verschwanden im pakistanischen Nirgendwo. In einem Fall fand das Team Hinweise darauf, dass Textilien in Ziegelbrennereien als Brennstoff verheizt werden – grün ist das wohl kaum. Auf Nachfragen hin rudern die Anbieter zurück, sprechen von Einzelfällen und verweisen auf vertragliche Bestimmungen. Man überprüfe, ob die Partner außerhalb Europas verkaufen, ganz transparent läuft das aber nicht ab. Verbraucherschutzseite Ruth Preywisch sieht im vollmundigen Nachhaltigkeitsversprechen der Unternehmen eine Mogelpackung: Wer nicht sauber verfolgt, was mit der Kleidung passiert, täuscht am Ende die Verbraucher. Und plötzlich fühlt sich diese gutgemeinte Kleiderspende verdammt schal an. Gelobt wird immerhin das journalistische Format: "team.recherche", das von jungen Reporterinnen und Reportern verschiedener ARD-Anstalten verantwortet wird, taucht monatlich in gesellschaftlich hochaktuelle Themenfelder ein. Alle Recherchen sind dauerhaft in der ARD-Mediathek abrufbar – für Menschen, die gern hinter die Kulissen gucken.

Die SWR-Doku 'Inside Secondhand' (ab 5. März 2026 in der ARD-Mediathek) durchleuchtet kritisch die traurige Reise sogenannter nachhaltiger Secondhand-Kleidung. Mithilfe von GPS-Trackern wurde enthüllt, dass viele der als gespendet, verkauft oder recycelt deklarierten Stücke entweder auf Zwischenhandelsplätzen in Osteuropa landen, nach Afrika verschifft oder in anderen Teilen der Welt – etwa in Pakistan – nicht selten verbrannt werden. Verbraucherzentralen sprechen in diesem Zusammenhang von Verbrauchertäuschung und fordern mehr Transparenz bei den tatsächlichen Wegen und dem Verbleib von Altkleidung sowie den Nachhaltigkeitsversprechen der Unternehmen. Neuere Recherchen zeigen zudem, dass in der gesamten Secondhand-Branche zunehmend kritische Fragen zu globalen Warenströmen aufgeworfen werden. Unternehmen wie H&M und Sellpy stehen dabei regelmäßig unter Beobachtung und müssen sich mit Vorwürfen des 'Greenwashings' auseinandersetzen. Die Problematik liegt oft in intransparenten Weiterverkaufspraktiken, einem kaum kontrollierbaren globalen Markt für Alttextilien und den ökologischen Folgen, wenn Kleidung am anderen Ende der Welt verbrannt statt recycelt wird.

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