Adam Posen, Chef des renommierten Peterson Institute for International Economics, sieht die sonst so befürchteten Erschütterungen der Weltwirtschaft in Folge einer Eskalation zwischen Iran und den USA derzeit eher gelassen. In einem Kommentar für das 'Handelsblatt' verweist er darauf, dass bereits seit der Suezkrise die Wirkung von Krisen im Nahen Osten für Ölmarkt und Weltwirtschaft oft überschätzt wird. Laut Posen bleiben die wesentlichen Faktoren stabil, solange der Konflikt räumlich und zeitlich begrenzt ist. Öl sei – bei all seiner geopolitischen Sprengkraft – kein einmaliges Gut mit nur einem Lieferanten. Zudem, gibt er zu bedenken, könne der Iran sich durch ausgedehnte Störungen des Öltransports leicht ins eigene Fleisch schneiden. Tricky wird es nur, meint Posen, falls iranische Angriffe beispielsweise einen amerikanischen Flugzeugträger ernsthaft treffen würden. Dann stünde nicht nur regionale, sondern auch globale Machtbalance zur Debatte – auch mit möglichen Folgen für die US-Strategie gegenüber China und Taiwan. Ein bisschen bleibt also ein schaler Beigeschmack: Entwarnung ja, aber nicht für jedes Szenario.
Posens Standpunkt klingt erstmal beruhigend: Historisch betrachtet waren Folgen vergleichbarer Nahost-Krisen für die Weltwirtschaft oft weniger dramatisch als befürchtet. Tatsächlich sind die globalen Energieflüsse heute diversifizierter und Krisen an sogenannten Engpässen – etwa der Straße von Hormus – könnten häufig über alternative Routen oder Lagerbestände abgefedert werden. Gleichzeitig gibt es Unsicherheiten: Beispielsweise könnten politische Fehlkalkulationen im US-Iran-Konflikt unerwartet größere sicherheitspolitische und wirtschaftliche Auswirkungen auslösen. Aktuelle Medienberichte diskutieren weiterhin, dass die Ölmärkte zwar zunächst stabil blieben, Anleger und Handelsströme aber nervös auf mögliche Eskalationen reagieren. Noch hält der Markt durch, doch ein Schock – etwa ein direkter Angriff auf US-Streitkräfte – könnte einiges ins Wanken bringen. Mein Fazit: Entspannt zurücklehnen? Vorsicht – aber Panik ist ebenfalls nicht angebracht.