Grüne plädieren für gesetzliches Recht auf Vollzeitstelle

Ricarda Lang von den Grünen fordert, dass Angestellte nicht nur einen Anspruch auf Teilzeit haben, sondern auch das Recht bekommen, auf Vollzeit aufzustocken – sofern ihr Arbeitgeber genügend Arbeit bieten kann.

28.01.26 01:02 Uhr | 38 mal gelesen

Ricarda Lang, profilierte Sozialpolitikerin der Grünen, hat im Rahmen der aktuellen Diskussion um den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit eine Ausweitung gefordert: Sie will, dass Beschäftigte einen klaren Anspruch auf Vollzeitarbeit erhalten – natürlich nur, wenn die Arbeit im Unternehmen diese Stundenzahl hergibt. "Flexibilität muss in beide Richtungen funktionieren", meint Lang. Sie verweist aber auch gleich darauf, dass mehr Vereinbarkeit mehr ist als nur das Jonglieren mit Arbeitszeiten: Es gehe auch um ausreichend Kinderbetreuung und bessere Pflegeangebote. Hier besteht laut Lang ein eklatanter Nachholbedarf, der bislang viel zu oft zur Privatsache – oder schon fast zur Glückssache – erklärt wurde. Die CDU-Vorschläge zur Einschränkung von Teilzeitrechten sieht Lang als Angriff auf Arbeitnehmerinteressen und kritisiert insbesondere, dass der wirtschaftsliberale Flügel der Union die Lebensrealitäten vieler Menschen, gerade von Frauen, schlicht verkenne. Teilzeit – das ist für sie keine bequeme Ausrede, sondern häufig die Basis für Kindererziehung, Pflegearbeit und soziales Engagement. Natürlich gebe es Menschen, die gern mehr arbeiten würden, aber strukturelle Hürden – etwa mangelnde Betreuungsplätze – machten das unmöglich. Die Grünen setzen somit ganz bewusst einen Kontrapunkt zum Vorstoß der CDU-Politikerin Gitta Connemann, die für striktere Regeln im Bereich Teilzeit plädiert (‘Lifestyle-Teilzeit’), und heben hervor, dass diese Haltung der Union letztlich den Arbeitskräftemangel verschärft.

Ricarda Langs Vorstoß, Angestellten ein gesetzlich verbrieftes Recht auf eine Vollzeitstelle einzuräumen, sofern im Betrieb das Arbeitsvolumen stimmt, entfacht erneut die Debatte um flexible Beschäftigungsformen und soziale Sicherheit. Nach Lang muss die Politik nicht nur Arbeitszeitmodelle öffnen, sondern auch massiv in Kita- und Pflegeinfrastruktur investieren, damit Familie und Beruf auf Augenhöhe funktionieren können – sie kritisiert den CDU-Vorschlag, Teilzeit einzuschränken, scharf und sieht darin einen Rückschritt für Arbeitnehmerrechte sowie die Gleichstellung von Frauen. Die aktuelle Diskussion spiegelt die Herausforderungen des deutschen Arbeitsmarkts wider, in dem Fachkräftemangel, starre Strukturen und soziale Infrastruktur eng verwoben sind, worüber derzeit auch zahlreiche Leitmedien und -kommentator:innen debattieren. Die taz berichtet, dass viele Unternehmen gerade in Branchen wie Pflege und Erziehung ohnehin händeringend Personal suchen und ein Mehr an Flexibilität fordern, wobei gerade Frauen oft zwischen familiären Pflichten und Berufswunsch zerrieben werden. Die Süddeutsche Zeitung hebt in einem aktuellen Leitartikel hervor, dass auch die Arbeitgeberseite durchaus Bewegungsbereitschaft signalisiert, aber die Pflicht zu Vollzeit kritisch bewertet – und eine Flexibilisierung fordert, die alltagstauglich sein muss. Darüber hinaus markiert die Debatte eine Grundsatzfrage: Welche Rolle spielt der Einzelne künftig im Arbeitsmarkt, wie werden klassische Arbeitszeitmodelle aufgebrochen und was bedeutet das für gesellschaftliche Teilhabe?

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