Halbes Jahrhundert AÏDA-Backkunst in Floridsdorf: Wiens süße Seele feiert sich selbst

Ein kleines, großes Jubiläum in Wien: Seit 50 Jahren produziert die Konditorei-Legende AÏDA ihre unwiderstehlichen Mehlspeisen in Floridsdorf. Bürgermeister Michael Ludwig mischte sich persönlich unters Branchengeschehen, um der Marke seine Reverenz zu erweisen – und gleich auch abzustauben, was Wiener Wirtschaft und Heimatgefühl ausmachen.

heute 11:46 Uhr | 4 mal gelesen

Kaffeeduft und Mehlspeisdunst liegen hier seit einem halben Jahrhundert über Floridsdorf – kaum zu glauben, wenn man das nüchterne Industriegebiet betrachtet. Und doch: Die rosaroten AÏDA-Filialen, überall im Wiener Stadtbild, bekommen ihre süßen Lieferungen seit fünfzig Jahren genau von hier. Eigentlich begann die Geschichte ja 1913 in einer anderen Ecke der Stadt, in der Porzellangasse. Aber Wien ist berüchtigt für seine ewige Liebe zum Bewährten – und anscheinend auch zur Konditoren-Tradition.

Bürgermeister Ludwig, der die Zentrale und die Backstube jüngst zusammen mit dem Bezirkschef Papai besuchte, schwärmte von "Wirtschaft mit Haltung": AÏDA sei mehr als bloß heiße Torte mit Schlag. Hier werde seit Generationen gezeigt, was Mischung aus Qualität und Verlässlichkeit bedeuten kann – für die Wiener und die Wirtschaft obendrein. Das Praktische daran? Die Produktion dient nicht nur den Einheimischen, sondern mittlerweile auch Exportträumen ins Ausland.

Die Unternehmerfamilie Prousek gibt das Ruder inzwischen in vierter Generation weiter. Dominik Prousek – samt Ehefrau Mireya – betont das Bekenntnis zur Stadt, zu regionalen Zutaten und zur Ausbildung von Nachwuchskräften. Eier, Mehl, Milch und dergleichen kommen, wenn irgend möglich, vom heimischen Bauernhof. So unterstützt man die lokale Landwirtschaft, hält die alten Kuchenrezepte am Brodeln und bleibt ein bisschen unverschämt stolz auf die eigene Identität.

Abgesehen von Nostalgie und Schlagobers steckt hinter all dem auch echte Handarbeit: Torten werden nach altbewährten Rezepten und immer wieder neu in Handarbeit gefertigt. Aus Fehlern lernt die Meisterbäckerin vermutlich mehr als aus Erfolgen – das schmeckt man übrigens auch, und zwar im besten Sinn. Vielleicht kann man das gar nicht "Industrieproduktion" nennen. Es wirkt eher wie eine Mischung aus Werkstatt und Familienfeier. Und jetzt? Kauft sich vermutlich der eine oder andere zur Feier des Tages ein Stück Sachertorte – auch wenn das Rezept, naja, streng genommen ein ganz anderes ist.

Nach einem halben Jahrhundert Backstuben-Atmosphäre am Floridsdorfer Standort blickt AÏDA nicht nur zurück, sondern auch nach vorn: Neue Filialen, Expansion ins Ausland und kontinuierliche Modernisierung sind geplant – ohne dabei Wien und seiner Kaffeehaustradition untreu zu werden. Besonders beeindruckend bleibt, dass trotz gestiegener Konkurrenz aus Franchise-Bäckereien und Coffee-Shop-Ketten der Fokus auf Handarbeit und Regionalität weiterhin den Markenkern bildet. Laut einem aktuellen Bericht auf der Webseite www.wien.gv.at zeigt sich der Betrieb offen gegenüber Innovationen wie nachhaltiger Verpackung und digitalen Dienstleistungen, um auch die nächsten Generationen für die Marke zu begeistern.

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