Heftige Kritik an Debatte um Rente mit 70 – BSW fordert radikalen Systemwechsel

Oliver Ruhnert, Generalsekretär des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), verurteilt Überlegungen zur Rente erst ab 70 scharf und verlangt ein gänzlich neues Rentensystem. Die aktuelle Diskussion hält er für unverantwortlich und sozial ungerecht.

heute 07:43 Uhr | 7 mal gelesen

Oliver Ruhnert nimmt kein Blatt vor den Mund: Die Vorstellung, das gesetzliche Renteneintrittsalter weiter anzuheben, sei nichts anderes als eine in Tarnung daherkommende Rentenkürzung für Millionen Menschen. Besonders kritisch sieht er dabei die Haltung der Sozialdemokraten. Ruhnert macht ihnen direkt den Vorwurf, dass ihr Einlenken bei der Rentendebatte billigend in Kauf genommen wurde – eine klare Absage an jede Form von echter Altersabsicherung. Interessant ist der Blick zu unseren Nachbarn nach Österreich: Laut Ruhnert ist deren System deutlich vorteilhafter für Rentner, schließlich profitiere dort jeder, egal ob Angestellter, Selbstständiger oder sogar Beamter, von einem solidarischen Rentenmodell. "Die Leute gehen mit 65 in Rente und bekommen im Schnitt satte 800 Euro mehr im Monat – das sagt doch alles." In Deutschland wäre so etwas kaum denkbar, solange nur ein Teil der Bevölkerung ins System einzahlt. Der BSW-Politiker fordert, endlich nach österreichischem Vorbild alle Bürger fair und umfassend zu beteiligen. Zuletzt war bekannt geworden, dass in der Regierungskommission tatsächlich über die Rente ab 70 diskutiert wird – angeblich mit dem Ziel, die Rentenfinanzierung langfristig sicherer zu machen. Doch für Ruhnert ist klar: Nicht immer sind Veränderungen auch Verbesserungen.

Ruhnerts scharfer Gegenwind gegen die Rente mit 70 deckt ein wachsendes Misstrauen gegenüber rentenpolitischen Reformen auf. Die Verunsicherung bezüglich künftiger Altersvorsorge ist greifbar – vor allem wenn man bedenkt, dass ein höheres Rentenalter nicht für alle Berufe realistisch ist: Wer körperlich arbeitet, hält selten bis 70 durch. Verschiedene Medien, etwa das "Handelsblatt" oder die "Süddeutsche Zeitung", haben in jüngsten Berichten zudem darauf hingewiesen, dass die Anhebung des Eintrittsalters vor allem Menschen mit niedrigeren Einkommen benachteiligt. Während Regierungskommissionen nach Kosten und Nachhaltigkeit suchen, wachsen Forderungen nach einer „echten“ Rentenreform – etwa mit einer Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung, wie es Ruhnert vorschlägt. Einige Experten betonen darüber hinaus, dass Österreichs Modell zwar höhere Leistungen bietet, aber auch mit höheren Beiträgen für den Einzelnen verbunden ist. Die Debatte zeigt letztlich: Welcher Weg zur auskömmlichen Rente führt, ist noch längst nicht entschieden.

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