Es klingt fast banal und doch wird es oft übersehen: „Das ist immer eine gute Strategie, um Wahlen zu bestehen“, erklärte Rhein gegenüber dem Focus. Eigentlich logisch – Kandidaten sollten eine reale Möglichkeit haben, ihre eigenen Argumente und Schwerpunkte sichtbar zu machen, statt von überstürzten Grundsatzdebatten überlagert zu werden. Im Vorfeld des CDU-Parteitags mahnt Rhein daher zur Geduld. Er riet dazu, erst einmal die Arbeitsergebnisse der Kommissionen abzuwarten, bevor man in Berlin gleich wieder die nächste Grundsatzdiskussion lostritt. Das sei längst eine Marotte in der Hauptstadt, so der Ministerpräsident – man falle zu schnell mit Meinungen und Forderungen übereinander her, bevor Substanz da ist. In seinen Worten: Nicht das Pferd von hinten aufzäumen, sondern erst wenn Ergebnisse vorliegen, gezielt diskutieren. Dann könne man auch viel präziser erkennen, welche Richtung eingeschlagen werden sollte. Manchmal ist weniger Aktionismus tatsächlich mehr – gerade, wenn es um öffentliche Debatten und Wahlen geht.
Boris Rhein bringt einen Punkt ein, der in politischen Kreisen durchaus untergeht: Wahlkämpfer werden durch ständige Reformdebatten und vorzeitige Diskussionen überfordert und teils ausgebremst – ihre Botschaften finden weniger Gehör, wenn ständig neue Themen aus Berlin auf die Tagesordnung gesetzt werden. Diese mahnenden Worte erscheinen gerade im Kontext des anstehenden CDU-Parteitags relevant, zumal in der Partei belastbare Ergebnisse abgewartet werden sollten, bevor neue Kontroversen losgetreten werden. Aktuell steht besonders der Richtungsstreit innerhalb der CDU im Fokus – eine Mischung aus Unsicherheit, personellen Fragen und der Suche nach Profil, allem voran mit Blick auf die nächsten anstehenden Landtagswahlen. Passend dazu berichten verschiedene Medien, dass die CDU weiterhin um eine Klärung ihrer Sozial- und Wirtschaftspolitik ringt und dass innerparteiliche Konflikte – teils öffentlich ausgetragen – den Wahlkampf deutlich erschweren.