Im Osten überwiegt Demokratieskepsis: Unmut über System größer als im Westen

Nahezu jeder zweite Mensch in Ostdeutschland ist mit der Demokratie hierzulande unzufrieden – das sind deutlich mehr als im Westen.

heute 09:00 Uhr | 4 mal gelesen

Man fragt sich ja manchmal, woran es liegt: Fast die Hälfte der Ostdeutschen fühlt sich vom Funktionieren der Demokratie enttäuscht. Immerhin geben 14 Prozent sogar an, sie seien 'sehr unzufrieden'. Westdeutschland steht da etwas optimistischer da – nur 38 Prozent äußern Unzufriedenheit, darunter acht Prozent sehr stark. Das kam zuletzt im aktualisierten 'Deutschland-Monitor' der Bundesregierung heraus, den Elisabeth Kaiser als Beauftragte für den Osten vorstellen will – oder vielleicht schon vorgestellt hat, die Nachrichtenlage überschlägt sich ja manchmal. Interessant (und ein bisschen alarmierend): 21 Prozent aller Befragten, im Osten sogar 26 Prozent, zeigen sich offen für autoritäre Denkmodelle. Besonders bemerkenswert: Rund 35 Prozent der Ostdeutschen sagen angeblich, Deutschland brauche 'eine einzige starke Partei' – ein Gedanke, der an graue Kapitel deutscher Geschichte erinnert. Selbst von denen, die dieser Aussage nicht ganz zustimmen, meinen 26 Prozent, sie stimme zumindest teilweise. Auch im Westen gibt es Freunde solcher Klarheit – 30 Prozent hätten da nichts grundsätzlich dagegen, weitere 23 Prozent stehen teilweise dahinter. Wenn es um eine 'starke Persönlichkeit' geht, die keine Rücksicht auf das Parlament nimmt, sind es im Osten 15 Prozent, die das attraktiv finden. Und tatsächlich bekennen sich sechs Prozent dazu, dass eine Diktatur unter bestimmten Bedingungen 'die bessere Staatsform' sein könne; immerhin zwölf Prozent können das 'ein Stück weit' nachvollziehen. Im Westen halbieren sich diese Zahlen fast – beängstigende Zahlen, so oder so, oder?

Die Kluft zwischen Ost und West in Bezug auf Vertrauen und Zufriedenheit mit der Demokratie ist offenbar nach wie vor beachtlich und scheint stabil zu bleiben. Mittlerweile vermuten manche Kommentatoren, dass die Ursachen tiefer liegen: Frust durch strukturelle Benachteiligung, wirtschaftliche Unsicherheiten und ein politisches Gefühl des Abgehängt-Seins spielen offenbar mit hinein. Aus den neuesten Debatten herausgefiltert, mischen sich Ängste vor Identitätsverlust und gesellschaftlichen Wandel hinein, während die Bereitschaft, autoritären Ideen Gehör zu schenken, im Osten spürbar gewachsen ist. Neuere Medienberichte weisen darauf hin, dass auch viele Direkterfahrungen aus der Wendezeit und anhaltende wirtschaftliche Diskrepanzen zwischen Ost und West die Analyse beeinflussen. Hinzu kommen Stimmen, die darauf verweisen, dass politische Kommunikationsstrategien vieler Akteure die Gräben verstärken könnten, anstatt sie zu überbrücken.

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