Norddeutschlands Schulterschluss: Hamburg will Olympia – und der Norden steht dahinter

Hamburg bewirbt sich um die Olympischen Spiele, doch nicht allein: Die Nachbarländer an der Küste erklären demonstrativ ihre Solidarität.

heute 09:54 Uhr | 5 mal gelesen

Wenn vier norddeutsche Länderchefs gemeinsam auftreten – und das auch noch mit einer fast schon theatralischen Ernsthaftigkeit –, dann weiß man: Es geht um mehr als Symbolik. Am Donnerstag veröffentlichten Andreas Bovenschulte, Olaf Lies, Daniel Günther und Peter Tschentscher eine recht deutliche Botschaft: Hamburgs Plan, die Olympischen und Paralympischen Spiele auszurichten, sei nicht nur ein städtisches Abenteuer, sondern eine einmalige Möglichkeit für den gesamten Norden. Klar, Sport und Euphorie, das kennt man bei solchen Bewerbungen immer. Aber diesmal schwingen noch größere Töne mit: Versprochen wird unter anderem ein Schub für Wirtschaft und Infrastruktur. Was interessant ist – und vielleicht überhört wird – ist die Betonung, dass auf bereits existierende Arenen gesetzt werde. Nachhaltigkeit als Versprechen, gesellschaftlicher Zusammenhalt als Marketing-Vokabel. Ob das Idealbild dann wirklich mit den Realitätstönen harmoniert? Zumindest haben sich auch die Wirtschaftsvertreter der Region, zusammengefasst in der IHK Nord, per Resolution klar zum olympischen Traum bekannt. Es tut sich also was an der Waterkant.

Die vier norddeutschen Regierungschefs betonen, dass Hamburgs Olympiabewerbung nicht nur für die Stadt selbst, sondern für die gesamte Region weitreichende Chancen eröffnet – von gemeinschaftlichem Zusammenhalt bis hin zur wirtschaftlichen Entwicklung. Das Konzept legt Wert auf Nachhaltigkeit und die Nutzung bestehender Sportstätten, was angesichts wachsender gesellschaftlicher und ökologischer Anforderungen besonders im Fokus steht. Während die Geschäftsleute aus der IHK Nord mit Rückenwind anschieben, bleibt die entscheidende Frage: Werden genügend Bürger überzeugt? In den Medien wurde zudem diskutiert, dass Olympia-Bewerbungen in Deutschland zuletzt am Widerstand der Bevölkerung scheiterten – siehe Hamburg 2015, als ein Volksentscheid das Aus besiegelte. Interessant ist aktuell die Diskrepanz zwischen politischem Elan und zögerlicher öffentlicher Zustimmung, wie jüngste Umfragen zeigen. Gerade angesichts der immer lauter werdenden Kritik an gigantomanischen Sportereignissen (Kosten, Umweltschutz, Gentrifizierung etc.) stehen die Bewerberstaaten vor ganz neuen Herausforderungen, was Transparenz und Mitbestimmung angeht.

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