Hinter den Kulissen des Auswärtigen Amts: Die neue ZDF-Doku „Die Diplomaten“

Mainz – Neues aus der Welt der deutschen Außenpolitik: Die vierteilige Dokumentation „Die Diplomaten – Inside Auswärtiges Amt“ öffnet ungewohnte Türen zu den Menschen, die normalerweise im Schatten der Öffentlichkeit arbeiten. Über ein Jahr hinweg hat das Kamerateam Diplomatinnen und Diplomaten auf dem gesamten Globus begleitet. Das Ergebnis: Seltene Einblicke und auch ehrliche Selbstzweifel, wie sie nur selten nach außen dringen. Ab Dienstag, dem 24. März 2026, um 10 Uhr, ist das Ganze kostenlos in der ZDF-Mediathek und ZDF-App abrufbar.

heute 09:59 Uhr | 2 mal gelesen

Der Krieg in der Ukraine, die immer wieder aufflammenden Konflikte im Nahen Osten und die Rivalitäten zwischen den Großmächten – all das macht diplomatisches Handeln zum Tanz auf dem Drahtseil, irgendwo zwischen Gestaltung und Ohnmacht. „Wenn Russland diesen Krieg gewinnen kann, ändert sich alles in Europa“, bringt es Dominik Mutter, einer der politischen Leitfiguren im Auswärtigen Amt, auf den Punkt. Der Druck auf die Diplomatie ist enorm, das Gefühl der Unsicherheit allgegenwärtig. Partner zu binden und Bündnisse lebendig zu halten, wird zur artverwandten Überlebenskunst: „Wir tun gut daran, unsere eigenen Interessen ganz genau zu kennen“, so Botschafter Jens Hanefeld aus Washington. Die Filmemacher Marisa Uphoff und Fabian Herriger haben keinen Stein auf dem anderen gelassen. Sie zeigen nicht nur die großen Politik-Orte, sondern reisen etwa nach Ruanda oder in die Südsee nach Fidschi – weil deutsche Diplomatie eben auch dorthin reicht, wo niemand sie vermutet. Aber man spürt auch die Ohnmacht: So berichtet Deutschlands Botschafter Steffen Seibert in Israel beinahe nüchtern davon, dass deutsche Protestnoten angesichts der gewaltsamen Realität in Ostjerusalem „bisher wenig gebracht haben“. Echte Wirkung sieht oft anders aus. Stefan Schneck, Sonderbeauftragter für Syrien, sagt fast lapidar: „Gelungene Diplomatie bleibt unsichtbar. Geschieht ein Krieg, war die Diplomatie zu spät – oder gescheitert.“ Neben den aktuellen Krisen stellt die Serie auch ganz persönliche Geschichten vor: Da ist der Botschaftsangestellte Amer Nahas, der in Damaskus jahrelang eine leere deutsche Botschaft hütet, während um ihn herum das Chaos herrscht. Menschliche Brücken inmitten geopolitischer Brände. Außenpolitik, so betont Außenminister Johann Wadephul, ist heute mehr denn je auf deutsche und europäische Interessen geeicht. Seine Vorgängerin Annalena Baerbock blickt zurück: „Meine dreieinhalb Jahre waren wie drei volle Amtszeiten. So oft geriet alles aus den Fugen.“ „Die Diplomaten“ macht greifbar, wie widersprüchlich und vielschichtig Diplomatie funktioniert: zwischen Strategie, Moral und dem, was im Endeffekt wirklich möglich ist.

Die neue Doku „Die Diplomaten – Inside Auswärtiges Amt“ im ZDF nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch das oft unsichtbare Leben deutscher Diplomaten angesichts einer brüchigen Weltordnung. Sie zeigt, wie anstrengend, frustrierend, aber auch bedeutsam diese Arbeit gerade in Zeiten von Krieg, Krisen und wachsender Unsicherheit ist. Authentisch werden persönliche Schicksale, politische Dilemmata und die leisen Momente abseits des Rampenlichts beleuchtet – eine Serie, die beides ist: scharfer Gegenwartsbefund und Fenster in einen fremden Kosmos. Im aktuellen Medienspiegel (Stand Juni 2024) werden die Herausforderungen und Spannungen in der Diplomatie verstärkt diskutiert: - Die Rolle Deutschlands im Ukraine-Krieg bleibt ein Dauerthema, laut der ZEIT wächst der diplomatische Druck angesichts der andauernden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine; zugleich steht die Bundesregierung wegen zurückhaltender Waffenlieferungen politisch unter Druck. - In der Süddeutschen Zeitung wird deutlich, wie sehr diplomatische Initiativen im Nahen Osten – also gerade in Israel und an der Grenze zum Libanon – von deutscher Seite aus an Grenzen stoßen. Die Vermittlungsversuche sind laut FAZ von vielen Widersprüchen geprägt: Oft gelingt es kaum, konkrete Fortschritte vor Ort zu erzielen. - Laut taz wird die komplexe Arbeit deutscher Diplomaten weltweit durch neue Bedrohungen (Cyberangriffe, Desinformation, Migrationsdruck) kompliziert, weshalb das Auswärtige Amt zunehmend modernisiert werden muss – technologisch wie personell – um überhaupt reagieren zu können.

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