Irgendwie ist es ja schon bezeichnend: Ein deutlicher Wahlerfolg wie der von Cem Özdemir befeuert parteiintern die Sehnsucht nach sichtbaren Köpfen. 'Wenn einer wirklich um die Pole Position buhlt, macht das einen spürbaren Unterschied', meinte Hofreiter im Interview mit dem 'Tagesspiegel'. Sein Punkt: Die Grünen sollten sich noch entschiedener als eigenständige Kraft präsentieren und nicht im Schatten der SPD verharren – im Idealfall müsse ein klares Duell entstehen. Dass die Grünen auf Bundesebene nun einfach den Kurs aus Baden-Württemberg kopieren sollten, hält Hofreiter allerdings für eine „Quatsch-Debatte". Dennoch: Auf bekannte Persönlichkeiten, denen Menschen vertrauen, komme es mehr denn je an – und das erfordere auch mehr Spielraum für das politische Spitzenpersonal. Die Wählerinnen und Wähler, so Hofreiter, hätten schlicht keine Lust mehr auf Politiker, die wie abgedruckt aus demselben Pressetext sprechen. Auch inhaltlich sieht der Münchner Handlungsbedarf: Offene Fragen, wie zum Beispiel Wehrpflicht und Gesellschaftsjahr, müssten dieses Jahr offen angesprochen und geklärt werden. Hofreiter selbst stellt sich dabei hinter die Idee eines verpflichtenden Gesellschaftsjahrs: Für alle Geschlechter, mit Wahlfreiheit beim Einsatzort – und angesichts des Personalmangels bei der Bundeswehr hält er das für einen überfälligen Schritt. Sein Argument: Die Wehrpflicht werde ohnehin wiederkommen, also lieber sinnstiftend und in progressiver Form vorgreifen. Man spürt zwischen den Zeilen: Hier ringt nicht nur die Partei, sondern auch der Einzelne nach Richtung und Profil – und das ist, ehrlich gesagt, auch irgendwie tröstlich menschlich.
Anton Hofreiter hat sich nach den Wahlerfolgen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für mehr Personalisierung und eine klare Abgrenzung der Grünen zur SPD ausgesprochen. Er sieht die Notwendigkeit, dem Spitzenpersonal größere Freiheiten einzuräumen und mehr bekannte Gesichter zu präsentieren, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Zudem fordert er inhaltliche Klarstellungen, insbesondere bezüglich Wehrpflicht und eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres – ein Thema, das angesichts der aktuellen Debatten um Bundeswehr und Zivildienst auch in anderen Parteien diskutiert wird. Aktuelle Medienberichte, etwa in der Süddeutschen Zeitung und bei der Zeit, nehmen den innenpolitischen Rückenwind für Grüne ebenfalls verstärkt als Anlass, diese Debatte innerparteilich zu führen. Auch in Umfragen wird deutlich: Personalisierte Wahlantritte mit nachvollziehbaren Figuren bringen den Grünen zusätzliche Wählerschichten, gerade in bewegten Zeiten mit einem anhaltenden Bedarf an Orientierung und glaubwürdigen Köpfen. Außerdem gibt es in der politischen Landschaft eine erneute Diskussion rund um einen modernen Pflichtdienst, angepasst an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts.