Kinderfahrradhelm-Test: Kein Modell schneidet gut ab – 80-Euro-Helm mit gravierendem Mangel

München – Ein Fahrradhelm kann ein Leben retten, erst recht bei den Kleinsten. Für Eltern ist deshalb entscheidend, welche Helme wirklich sicher und praktikabel sind. Der ADAC und die Stiftung Warentest haben sich 18 Kinderhelme vorgenommen, intensiven Laborprüfungen ausgesetzt und sogar auf Schadstoffe untersucht. Das Resultat ist eher ernüchternd.

heute 06:04 Uhr | 1 mal gelesen

Dieses Jahr wurde beim ADAC-Test nicht geknausert – die Prüfkriterien wuchsen um einige Schrauben an: Besonders das Sicherheitssystem rund um Gurte und Verschlüsse stand unter der Lupe. Dazu zählt zum Beispiel, ob sich die Riemen während der Fahrt unbemerkt lösen (das nennt sich Mikroschlupf – klingt wie ein erfundenes Wort, ist aber leider Alltag). Selbst die Bequemlichkeit, also ob die Kinder die Helme länger auflassen wollen, wurde verschärft bewertet. Kurzum: Die Messlatte lag diesmal höher, was Vergleiche zum Test 2022 mehr oder weniger hinfällig macht. Das Ergebnis ist ernüchternd, aber irgendwie auch ein Anstoß – kein einziger Helm schnitt „gut“ ab. Die kleine Lichtblick-Nachricht zuerst: Einen wirklichen Versager gab es nicht, denn alle Helme schützen grundsätzlich vor schweren Kopfverletzungen. Geradezu verblüffend: Der günstigste Helm im Test, ein Modell von Crivit für knapp 15 Euro, wurde Gesamtsieger (Wertung: 2,6) und punktet – wer hätte das gedacht – bei Unfallschutz und mit Reflexstreifen plus Rücklicht. Schwächelt aber ausgerechnet beim Tragekomfort. Am unteren Ende des Testfelds tummeln sich allerdings zwei Modelle: Abus YouDrop und Melon Urban-Active – beide tun sich mit dem Schutzbereich an den Schläfen schwer. Gerade der Melon-Helm, immerhin für rund 80 Euro zu haben, leistet sich einen echten Schnitzer. Das Gurtband verliert beim Fahren an Festigkeit, man muss es also regelmäßig nachjustieren (Mikroschlupf). Insgesamt ist klar: Wirklich überzeugend ist das Angebot noch nicht. Die häufigsten Schwachstellen? Zu wenig Sichtbarkeit, leicht zu lösende Gurte und zum Teil misslungener Tragekomfort. Gerade bei der Sichtbarkeit im Dunkeln – zur Not reicht schon mehr reflektierendes Material an den Gurten. Und keiner der schwereren Helme überzeugte beim Schutz wirklich mehr als ein Leichtgewicht. Eltern bleibt laut ADAC nur, verschiedene Helme auszuprobieren und unbedingt auf die passende Größe sowie gute Beleuchtung zu achten. Denn das wichtigste Element am Kinderkopf ist das Kind selbst – und das zahlt es euch mit Sicherheit zurück, spätestens beim nächsten Fahrradunfall. Helm nach Sturz übrigens immer ersetzen, auch wenn man nix sieht.

Die neuen, verschärften Prüfkriterien im ADAC- und Stiftung Warentest-Test zeigen deutlichen Nachholbedarf bei Kinderfahrradhelmen: Auch wenn der Schutz vor ernsten Kopfverletzungen grundsätzlich gegeben ist, gibt es viele praktische Mängel – von Sicherheitsgurt-Systemen über Tragekomfort bis zu Sichtbarkeit. Laut aktueller Berichterstattung etwa in der SZ und bei der FAZ bleiben gerade diese Details bei vielen Helmen unzulänglich, obwohl simple Verbesserungen wie mehr Reflexionsmaterial oder zuverlässigere Verschlüsse schon viel bewirken würden. Fachleute und Verbraucherschützer betonen zudem, welchen Unterschied die Passform macht, da Kinderköpfe sehr unterschiedlich sind und kein „Testsieger“ universell passt – was direkt bei jüngsten lokalen Aktionen für Verkehrssicherheit betont wird. Im Zusammenhang mit den ADAC-Ergebnissen ist auch die aktuelle Debatte um verpflichtende Helmpflicht für Kinder entbrannt: Während Politik und Verbände vermehrt auf Aufklärung und Sichtbarkeit setzen, zeigen staatliche Kontrollaktionen auf Schulwegen, wie lückenhaft die Nutzung ist. Einprägsam bleibt: Gerade günstige Modelle können top beim Schutz sein, während teure Helme wie der Melon durch fehlerhafte Gurtkonstruktionen ins Hintertreffen geraten.

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