Wohnen in Deutschlands größten Städten wird zur echten Herausforderung, zumindest für all jene, die jetzt umziehen oder auf Wohnungssuche sind. Die jüngsten Zahlen des ifo-Instituts beschreiben eine Schere, die immer weiter auseinandergeht: Während Bestandsmieter im Vergleich mit moderaten Aufschlägen rechnen mussten, sind die Neumieten in den sogenannten Top-7-Städten seit 2013 um satte 75 Prozent gestiegen. Das Tempo des Anstiegs ist rasant, und das Problem dabei – es betrifft vor allem Wohnungssuchende mit geringem Einkommen. Ich frage mich, wie lange Menschen das noch mitmachen wollen oder überhaupt können.
Oliver Falck vom ifo-Institut spricht es ehrlich aus: Wenn die Miete zur größten Hürde wird, ob für Familien, Fachkräfte oder junge Menschen, rutschen Städte ins wirtschaftliche Hintertreffen. Das birgt sozialen Sprengstoff, mal abgesehen vom persönlichen Drama, das Umzüge, Zimmersuche und aufgeschobene Lebensträume inzwischen bedeuten können. Wirklich absurd ist, dass Menschen gezwungen sind, in Wohnungen zu bleiben, die gar nicht mehr zu ihnen passen – einfach, weil Umsiedeln zu teuer wäre.
Die Unterschiede zwischen Alt- und Neuverträgen sind frappierend: Rechnet man es durch, zahlen Neu-Mieter in Berlin im Schnitt satte 70 Prozent mehr als Bestandsmieter, in München immerhin 45 Prozent und auch in Hamburg sind es über ein Drittel. "Lotterie“ – so nennt es Simon Krause vom ifo-Institut. Irgendwie passend, angesichts der Tatsache, dass man mit Glück und altem Vertrag ruhig wohnen kann, während andere beim Einzug fast das Doppelte zahlen.
Was die Mietbelastung angeht, bleibt bei Bestandsmietern alles beim Alten, doch die, die neu einziehen, kommen zum Teil auf nahezu die Hälfte ihres Einkommens, die allein fürs Dach über dem Kopf draufgeht. Ein entspannter Weg zur Arbeit, Mobilität auf dem Wohnungsmarkt? Weit gefehlt. "Der Arbeitsmarkt verliert an Flexibilität" – auch das klingt erstmal abstrakt, aber im Grunde heißt es nur, dass Leute ausharren, wo sie sind, weil sie es sich nicht leisten können zu wechseln.
Und Lösungen? Tja, die üblichen Rezepturen: Bauen, genehmigen, fördern – am besten alles schneller, billiger und gezielter. Natürlich ließe sich über Mietpreisbremsen und ähnliche Instrumente nachdenken, aber echte Entspannung kommt wohl erst, wenn das Wohnungsangebot wirklich wächst. Bis dahin bleibt Mieten in der Stadt ein nervenaufreibender Balanceakt.
Die Studie des ifo-Instituts zeigt, dass die Mietpreise für Neuverträge in den sieben größten deutschen Städten seit 2013 drastisch gestiegen sind, während Bestandsmieter nur moderat betroffen sind. Dadurch ergibt sich nicht nur eine wachsende soziale Kluft, sondern auch wirtschaftliche Risiken, weil die Stadtbevölkerung zunehmend immobil wird und Unternehmen Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu gewinnen oder zu halten. Ergänzend dazu weisen aktuelle Medienberichte darauf hin, dass bundesweit Baugenehmigungen weiter rückläufig sind, viele Bauprojekte stocken und selbst politisch angestoßene Programme für bezahlbaren Wohnraum bislang nur schleppend greifen. Die anhaltende Knappheit führt zu weiter steigenden Mieten, die Kaufpreise bleiben trotz Zinswende auf hohem Niveau, und in einer aktuellen Umfrage berichten mehr als die Hälfte der Mieter von finanzieller Überlastung (Quelle: [taz.de](https://www.taz.de), [FAZ.net](https://www.faz.net), [Die Zeit](https://www.zeit.de)). Hinzu kommt laut Neuerungen in der Gesetzgebung, dass mehr Fördermittel für sozialen Wohnungsbau bereitgestellt werden sollen – allerdings reichen diese Maßnahmen nach Einschätzung vieler Experten nicht aus, um den Krise auf dem Wohnungsmarkt kurzfristig zu entschärfen.