Immer mehr ukrainische Geflüchtete sehen ihre Zukunft im Exil

Eine aktuelle Befragung zeigt: Viele Ukrainer, die nach dem russischen Angriff ins Ausland geflohen sind, möchten ihren Aufenthalt im Gastland nicht mehr nur als Zwischenlösung sehen. Besonders in Dänemark steigt der Wunsch zu bleiben auch dann, wenn der Krieg vorbei ist.

heute 07:56 Uhr | 1 mal gelesen

Interessant, wie sich Erwartungen und Lebensentwürfe mit der Zeit angleichen – oder eben komplett ändern. Laut einer neuen Erhebung der Universität Kopenhagen und der ROCKWOOL Foundation, veröffentlicht als Research Insight 05/26 von RFBerlin, wünschen sich mittlerweile 76 Prozent der befragten Ukrainer, in Dänemark zu bleiben. Das überrascht, denn noch ein Jahr zuvor lag dieser Anteil bei 69 Prozent. Setzt man das ins Verhältnis zu den 50 Prozent von 2023, ist das ein bemerkenswerter Anstieg. So sieht das auch Mette Foged, Professorin und Mitautorin der Studie: Je länger der Krieg andauert, desto mehr Menschen richten sich offenbar auf Dauer in ihrer neuen Umgebung ein. Wer nach Gründen fragt, trifft oft auf eine Mischung aus Hoffnung aber auch Furcht – immerhin gibt es nur einen provisorischen Aufenthaltsstatus, und 77 Prozent der Bleibewilligen fürchten Abschiebung, sei es als konkretes, mäßiges oder einfach stetig mitschwingendes Problem. Besonders spannend: Der Wunsch, sich dauerhaft niederzulassen, ist in der Altersgruppe 18 bis 49 am stärksten – rund 80 Prozent sehen ihre Zukunft fernab der Heimat. Die Älteren hingegen, vor allem über 60, sind deutlich zögerlicher: Gut die Hälfte würde in Dänemark bleiben, der Rest spielt offenbar doch mit dem Gedanken an die Rückkehr. Die Befragung, per Fragebogen unter Erwachsenen durchgeführt, wurde zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 ausgewertet und bezog sich auf jene, die seit dem russischen Großangriff 2022 und bis Juli 2024 eingereist waren. Einzelformen, Zweifel und trotzdem diese deutliche Linie: Die Hoffnung auf ein neues, sicheres Leben verschiebt sich immer mehr nach Norden.

Die aktuelle Umfrage der Universität Kopenhagen und der ROCKWOOL Foundation belegt, dass eine wachsende Mehrheit ukrainischer Flüchtlinge in Dänemark lieber dauerhaft im Gastland bleiben möchte, auch wenn der Krieg endet und die Heimat theoretisch wieder sicher wäre. Besonders Menschen zwischen 18 und 49 Jahren zeigen eine hohe Bleibebereitschaft, während Ältere eher unentschlossen sind. Die Furcht vor Abschiebungen beschäftigt die meisten, da der Aufenthalt bislang nur vorübergehend gewährt wird. Ähnliche Tendenzen lassen sich laut Medienberichten auch in anderen europäischen Ländern beobachten – viele Ukrainer bauen in Deutschland, Polen oder Tschechien inzwischen ein neues Leben auf, oft mit Unterstützung durch Integrationsmaßnahmen, Schulbesuche der Kinder und Arbeitsmarktintegration. Dabei verfestigen sich, je länger der Krieg dauert, Verbindungen und Lebensperspektiven im Exil. Offen bleibt, wie europäische Länder langfristig mit dem Wunsch nach Daueraufenthalt umgehen werden. In jeder dieser Entwicklungen schwingt ein Spannungsfeld zwischen Hoffnung, Unsicherheit und Neuanfang mit.

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