Manchmal sagen Politiker ja viel, ohne zu sagen, was sie wirklich meinen. Hier allerdings ist Merz überraschend deutlich: Nach einem Treffen mit Premier Modi in Ahmedabad betont er Deutschlands ausgesprochenes Interesse an engerer Zusammenarbeit. Das übliche Gerede von „transatlantischen Beziehungen“ relativiert er und verlangt ein umfangreicheres Netz – nicht irgendwann, sondern lieber gestern als heute. Für ihn ist Indien offenbar mehr als ein wirtschaftlicher Bonus-Partner, sondern ein ‚Wunschpartner‘, gerade beim Thema Verteidigung, Wirtschaft, Technologie wie KI und strategisch wichtigen Rohstoffen. Wenn man ehrlich ist: Die geopolitischen Gewichte haben sich verschoben, und Merz setzt sichtbar auf weniger Abhängigkeit von alten Partnern. „Die Voraussetzungen sind selten so günstig gewesen“, fügt er an, was fast schon ein bisschen nach Werbung klingt. Ein Raum, in dem eine Innovationsnation wie Deutschland und das riesige, demokratische Indien gemeinsame Interessen entdecken können – übrigens auch als Signal an China, das auf dieser ersten Asienreise des Kanzlers auffällig fehlt.
Friedrich Merz hat bei seiner ersten großen Reise nach Asien als Kanzler klar gemacht: Die Beziehungen zwischen Deutschland und Indien sollen auf eine neue Stufe gehoben werden. Ziel ist es dabei nicht nur, wirtschaftliche oder technische Kooperationen auszubauen, sondern auch mit Blick auf geostrategische Verschiebungen in der Welt gemeinsame Interessen zu entwickeln und zu vertreten – besonders im Bereich kritischer Rohstoffe und moderner Technologien. Interessant ist: Zeitgleich berichten Medien über wachsende Investitionen deutscher Firmen in Indien, über Bemühungen um Handelsabkommen mit Zugeständnissen beim Klimaschutz sowie über eine vorsichtige Umorientierung europäischer Außenpolitik Richtung Südasien – offenbar hält man am ‚Wunschpartner‘ auch langfristig fest. Zudem gibt es aktuelle Diskussionen über die wachsende Bedeutung Indiens als demokratischer Gegenpol zu China und über neue deutsch-indische Projekte in den Bereichen Digitalwirtschaft, Künstliche Intelligenz und nachhaltige Energie.