Industriegipfel fordert rasches Eingreifen gegen Europas Wettbewerbskrise

Mehr als eintausend Unternehmen und Gewerkschaften schlagen Alarm: Vor dem Sondergipfel der EU in Belgien fordern sie entschlossene und vor allem schnelle Maßnahmen, um Europas Industrie wieder auf die Beine zu bringen. Die sogenannte 'Antwerpener Erklärung' betont: Es geht nicht nur um Wachstum, sondern auch darum, hochwertige Arbeitsplätze zu sichern – und zwar bevor es zu spät ist.

heute 16:43 Uhr | 5 mal gelesen

Donnerstag, Schloss Alden Biesen in Belgien: Die Erwartungen an den EU-Gipfel könnten kaum höher sein. Statt routinemäßiger Reden verlangen die Unterzeichner – eine seltene Allianz aus Wirtschaft, Industrie, Verbänden und Gewerkschaften – einen klaren Fahrplan für die Rettung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. In der Antwerpener Erklärung, die am Vortag bei einem Industriegipfel vorgestellt wurde, pochen die Initiatoren auf Taten, die spätestens 2026 spürbar Wirkung zeigen. Wirtschaftliche Stagnation? Die EU könne es sich schlicht nicht mehr leisten. Besonders alarmierend: Schon jetzt gerät nicht nur der Wohlstand unter Druck, sondern auch die Basis gut bezahlter Arbeitsplätze. Übrigens: Zu denen, die in Antwerpen anwesend waren, gehörten nicht nur führende Unternehmer, sondern auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Belgiens Premier Bart De Wever, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – und überraschenderweise auch der deutsche Kanzler, allerdings nicht Olaf Scholz, sondern Friedrich Merz. Man reibt sich die Augen: Zeit für ungewöhnliche Allianzen und klare Ansagen, so das Gefühl auf dem Gipfel.

Europas Wettbewerbsfähigkeit steht auf dem Prüfstand, und erstmals zieht eine breite Front aus Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften gemeinsam an einem Strang. In der Antwerpener Erklärung fordern sie kurzfristige, koordinierte Maßnahmen von der Politik, um den Abstieg der Industrie und damit verbundene Arbeitsplatzverluste zu verhindern. Die Stimmung ist angespannt, sowohl wegen geopolitischer Unsicherheiten, Handelskonflikten und hoher Energiepreise als auch wegen bürokratischer Hürden, die Investitionen ausbremsen – all das spitzt sich gerade zu. Recherchen auf taz.de, FAZ und Spiegel.de zeigen: Viele Unternehmen klagen über abnehmende Standortattraktivität, und es mehren sich Forderungen, Sonderregelungen für Investitionen, Steuerentlastungen und weniger Bürokratie einzuführen. Die EU-Kommission debattiert zudem über energiepolitische Anpassungen, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Es herrscht die Einsicht: Ohne Kurswechsel steht Europa durch den internationalen Konkurrenzdruck von China und den USA vor einer tiefgreifenden Transformation, an deren Ende auch die politische Stabilität Europas infrage stehen könnte.

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