Es gibt Momente, da wünscht man sich als Unternehmen eigentlich nur so etwas wie magische Weitsicht: volatile Märkte, unterbrochene Lieferketten, ständig neue Unsicherheiten. Genau in diesem Umfeld klammern sich 95 Prozent der Entscheider an die Hoffnung, dass Planung der entscheidende Hebel für Resilienz und Erfolg ist. Doch weniger als jedes zehnte Unternehmen hat tatsächlich einen Planungsprozess, der über die Grenzen von Abteilungen hinaus reicht – 8 Prozent, um genau zu sein. Was schiefgeht? Die meisten sind in ihren gewohnten Strukturen gefangen und planen in Silos; das behindert glasklare Transparenz, schnelle Reaktionen sowie kluge Entscheidungen.
Christian Opitz von BearingPoint bringt es ein wenig ernüchternd auf den Punkt: Wer heute strategisch plant, denkt nicht nur an Schutz vor Störung, sondern versucht, schneller als das Chaos zu sein. Doch Organisationen, die mutig neue Tools oder Prozesse implementieren, sind Mangelware. Stattdessen mutieren viele Planungsrunden zur Excel-Orgie oder hängen technologisch Jahre hinterher. Lediglich eine Minderheit (14 Prozent) arbeitet mit durchgängig integrierten IT-Lösungen; eine große Gruppe bleibt auf Tabellen und Handarbeit angewiesen – da geht natürlich Vieles im Tagesgeschäft verloren.
Und obwohl Methoden wie Rolling Forecasts oder Szenarioplanung in Fachartikeln überall gepredigt werden, setzen nur wenige diese wirklich durchgängig ein. Die Folge: Über die Hälfte der Befragten sieht deutlichen Nachholbedarf, was Planungsergebnisse betrifft, und nur ein Bruchteil ist überhaupt zufrieden mit seinem Ansatz. Aber immerhin leuchtet am Horizont etwas Hoffnung auf: Zwei Drittel wollen in den nächsten fünf Jahren digitale Werkzeuge, moderne Prognose-KI oder cloudbasierte Systeme einführen, um nicht den Anschluss in einer unsicheren Welt zu verlieren.
Was bleibt, ist das Riesenthema Integration – sowohl technisch wie strukturell. Wer hier investiert, kann sich von hektischem Krisenmanagement zum echten Wertschöpfer mit Weitblick entwickeln. Doch solange jedes Team sein eigenes Süppchen kocht, bleibt die schöne neue Planungswelt erst mal eine Absichtserklärung.
Die Ergebnisse der BearingPoint-Studie unterstreichen einen bemerkenswerten Widerspruch: Während nahezu alle Unternehmen die Wichtigkeit der Planung anerkennen, gelingt es nur einer winzigen Minderheit, Planung tatsächlich integrativ und ganzheitlich umzusetzen. Das Phänomen der Siloplanung, also die fehlende Zusammenarbeit zwischen Bereichen wie Vertrieb, Produktion und Finanzen, zieht sich durch kleine wie große Unternehmen. Der technologische Rückstand – weiterhin häufig Excel-lastig und fragmentiert – macht schnelle Anpassungen nahezu unmöglich. Rolling Forecasts und ähnliche Methoden sind im realen Alltag eher die Ausnahme als der Standard. Dennoch steigen die Investitionen in digitale Planungsinnovationen und KI-Technologien, was einen möglichen Wandel andeutet. Interessant in diesem Zusammenhang: Laut aktuellen Berichten aus der Wirtschaftspresse fordern sowohl Globalisierung wie Digitalisierung die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen so stark heraus wie nie. Die Bundesregierung in Deutschland ruft verstärkt dazu auf, die digitale Transformation in Firmenlandschaften umfassender zu gestalten. Zugleich beobachten Analysten, dass Pandemien und geopolitische Unsicherheiten agilere, integrierte Prozesse dringend erforderlich machen. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt dennoch groß.