Jenseits von Grenzziehungen: Internationaler Kurs sucht neue Wege für zirkuläre Migration und Rückkehr

München – Debatten zur Migration kreisen oft um Gegensätze, selten um die tatsächlichen Herausforderungen und Chancen, die im Detail liegen. Besonders die Felder zirkuläre Migration, Rückführung und Wiedereingliederung verlangen kreative Denkrichtungen. Eine nachhaltige Praxis wächst dort, wo Migration nicht als einmalige Bewegung, sondern als fortlaufender Prozess zwischen Regionen verstanden wird – mit offenem Austausch und gegenseitigem Lernen.

heute 13:01 Uhr | 3 mal gelesen

Genau in dieser Grauzone setzt das Programm „Circular and Return Migration Management“ (CRM) an. Es versammelt Migrationsexpertinnen und -experten mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln – von Ghana bis Georgien, von NGOs bis hin zu staatlichen Behörden – zu einem intensiven, praxisorientierten Austausch über Landesgrenzen hinweg. „Die Herausforderungen im Bereich Migration und freiwillige Rückkehr lassen sich nur über ehrlichen Dialog und interdisziplinäres Miteinander bewältigen“, so Joachim Scheurer, Geschäftsführer des Münchner Forums für Dialog.

Der aktuelle Durchgang an der Universität für Weiterbildung Krems vereint 35 Fachkräfte aus 15 Ländern. Sie alle beschäftigen sich ein Jahr lang gemeinsam mit Konzepten, Hindernissen und Chancen zirkulärer Migration – und bringen eigene Projektideen, Bedenken und Erfahrungen ein. Der Kurs ist nicht rein akademisch: Er kombiniert Präsenzwochen, digitale Module, echte Praxisprojekte und sogar Fallstudien zur Rückkehr und Reintegration in unterschiedlichen Kontexten.

Federführend sind die Universität für Weiterbildung Krems und das Münchner Forum für Dialog, unterstützt von EU-Geldern und Förderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Im Mittelpunkt steht, was in politischen Sonntagsreden oft fehlt: Ein respektvoller, praxisnaher Austausch, der den Komplexitäten von Migration gerecht werden will.

Besonders spannend auch aus Sicht der Lehrenden: Laut Prof. Mathias Czaika (UWK) bringen die teils kritischen Rückfragen und Perspektiven der Teilnehmenden stets neue Denkanstöße – und zeigen, dass echter Dialog weit mehr bewirkt als reine Wissensvermittlung.

Seit 2024 haben mehr als 100 Fachkräfte aus 21 Staaten am Training teilgenommen, unterstützt von Dozentinnen und Experten aus 14 Ländern. Themen reichen von Rückkehr-Patenschaften auf Dorfebene bis zu internationalen Kooperationsmodellen. Es geht nicht um „One fits all“-Lösungen, sondern um gemeinsames Ausprobieren und differenzierte Ansätze.

Den Abschluss des aktuellen Durchgangs bildet eine große Konferenz im November 2026 in München, wo Teilnehmerinnen und Teilnehmer – gemeinsam mit Wissenschaft, Politik und NGOs – Ergebnisse, Hürden und Zukunftsimpulse präsentieren und diskutieren werden. Wirklich offene Fragen bleiben – etwa, wie nachhaltige Rückkehr und Reintegration langfristig gesichert werden können. Aber vermutlich ist genau dieses ‚Unfertige‘ die notwendige Chance, Neues zu wagen.

Weitere Infos und Kontakte unter: www.munichforum.org/projekt-crm und www.donau-uni.ac.at/mig/return-migration.

Das CRM-Programm bringt Praktikerinnen und Praktiker aus Behörden, NGOs und Forschung für einen transkontinentalen Dialog zusammen und legt expliziten Wert auf gegenseitiges Lernen und praxisnahe Ansätze. Das Ziel: Migration als dynamischen, vielschichtigen und gemeinschaftlich gestaltbaren Prozess zu verstehen – weit entfernt von einfachen Antworten oder starren „Rückkehr-Oder-Bleiben“-Logiken. In den aktuellen Debatten wird dieses Engagement für Vernetzung und Köpfe mit Vielfalt und Realismus immer wichtiger – nicht zuletzt angesichts neuer, oft ideologisch aufgeladener Migrationsgesetzgebung in Europa.

Aktuelle Recherchen zeigen, dass das Thema Migration in Deutschland weiterhin hochaktuell diskutiert wird:

  • Ein Bericht der ZEIT beschreibt Probleme bei der freiwilligen Rückkehr von Geflüchteten angesichts mangelnder Beratungsstrukturen und widersprüchlicher politischer Signale, wodurch Rückkehrprogramme an ihre Grenzen stoßen.
  • Auf FAZ.net wurde über die Kritik an der neuen Asylreform beraten, wonach Fachleute angesichts globaler Bewegungen und Rückführungsdynamiken dauerhafte, abgestimmte Lösungen einfordern.
  • Ein Themenreport auf DW.com beleuchtet, wie lokale und internationale Projekte im Bereich der Reintegration versuchen, Rückkehrerinnen und Rückkehrern Perspektiven zu geben – von beruflicher Bildung bis zur psychologischen Unterstützung.

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