Kleiner Wachstumsschub: Deutsche Wirtschaft 2025 mit zaghafter Erholung

Deutschland hat 2025 wirtschaftlich endlich wieder minimal zugelegt – das Bruttoinlandsprodukt stieg laut erster Schätzung des Statistischen Bundesamtes um gerade mal 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

heute 10:18 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal fühlt sich ein Zuwachs von 0,2 Prozent fast mehr wie Stillstand an, dennoch vermeldete das Statistische Bundesamt am Donnerstag einen Mini-Aufschwung für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2025. "Das erste echte Wachstum nach zwei schleppenden Jahren", betonte Ruth Brand, Präsidentin von Destatis, eher vorsichtig. Treibende Kraft dahinter: private und staatliche Konsumausgaben. Währenddessen hatte die Exportbranche abermals Mühe, sich gegen Gegenwind von US-Zöllen, einem stärkeren Euro und der immer selbstbewussteren Konkurrenz aus China zu behaupten. Dazu kam die anhaltende Zurückhaltung bei Investitionen – sowohl in Maschinen als auch in Bauten wurde weniger Geld in die Hand genommen, und das schon seit Jahren. Auffällig: Die gesamte Bruttowertschöpfung rutschte 2025 rechnerisch sogar um 0,1 Prozent nach unten. Blickt man genauer hin, sieht man große Unterschiede zwischen den Branchen: Das Verarbeitende Gewerbe, einst Zugpferd der deutschen Volkswirtschaft, produziert nun schon im dritten Jahr hintereinander weniger. Besonders die Automobilhersteller und der Maschinenbau spürten härtere Konkurrenz und schwächere Nachfrage – unter anderem, weil China mittlerweile clever eigene Angebote platziert und Exporteure auf ihren Stammfeldern bedrängt. Die Chemie- und energieintensive Industrien dümpelten auf ihrem ohnehin niedrigen Stand weiter vor sich hin, der Bau schwächelte deutlich – insbesondere Hoch- und Ausbau mit kräftigem Minus. Im Tiefbau dagegen sorgten Investitionen in Infrastruktur-Projekte für ein zartes Plus. Die Dienstleistungsbranche zeigt ein wahres Flickenteppich-Muster: Unternehmensdienstleister und Kulturbetriebe verloren Umsatz, während Einzelhandel, Verkehr und gewisse Segmenten des Gastgewerbes leicht wachsen konnten. Innerhalb dieser Kategorien entwickeln sich einzelne Bereiche sehr unterschiedlich – etwa, dass die Ausgaben für Gesundheit spürbar anstiegen, während das Gastgewerbe Federn lassen musste. Ganz vorn beim Wachstum: die öffentlichen Dienstleistungen, Erziehung und das Gesundheitswesen. Konsum wurde 2025 ohnehin zum konjunkturellen Hoffnungsträger: Die Deutschen gaben im Schnitt mehr Geld aus – vor allem für Mobilität (autos!), medizinische Leistungen und Alltägliches. Auffällig: An Gastronomie und Hotels sparten sie hingegen, trotz aller Nachholversuche nach Corona. Der Staat stockte seine Konsumausgaben weiter auf, getrieben nicht zuletzt durch steigende Sozialausgaben, insbesondere im Gesundheitssektor und bei Gehältern für Beschäftigte. Während die Investitionen unterm Strich erneut schrumpften – minus 0,5 Prozent zum Vorjahr, insbesondere im Hochbaubereich – flossen immerhin wieder etwas mehr Mittel in neue Fabriken, Verkehrswege oder Energieinfrastruktur. Der Staat griff für Verteidigung ein wenig tiefer in die Tasche, konnte das allgemeine Investitionsloch der Wirtschaft aber nicht stopfen. Exporte gaben ein weiteres Mal nach, und zwar unter anderem bei den traditionell starken Sparten wie Kraftwagen, Maschinen oder Chemieerzeugnissen. Dienstleistungen hingegen wurden besser abgesetzt. Auf der anderen Seite stiegen die Importe signifikant an – besonders Maschinen, Elektronik und Medikamente landeten in deutschen Häfen und Lägern. Am Arbeitsmarkt herrschte 2025 im Vergleich zu den Vorjahren Stillstand. Die Zahl der Beschäftigten verharrte bei rund 46 Millionen, ein Niveau, das so bislang nur eine Ausnahme (Corona 2020) erlebt hat. Noch immer wurde vor allem im Dienstleistungssektor zugelegt, während in Industrie und Bau erneut Arbeitsplätze verloren gingen. Die öffentlichen Haushalte landeten wie schon 2024 wieder tief im Minus, allerdings ist das Defizit mit 107 Milliarden Euro etwas geringer ausgefallen. Insgesamt lag die Defizitquote mit 2,4 Prozent unter den EU-Grenzwerten. Angesichts der magischen 50-Prozent-Marke bei der Staatsquote fragt sich aber so mancher, wie lange das gutgehen kann – oder ob sich da eine neue Normalität etabliert. Ach ja – eine kleine Bemerkung am Rande: Die vorliegenden Zahlen fürs vierte Quartal sollten mit etwas Vorsicht betrachtet werden, da sie noch auf teilweise lückenhaften Daten beruhen. Aber immerhin – es zeichnet sich auch für das letzte Quartal eine Mini-Steigerung von 0,2 Prozent ab. Ob das der Anfang von mehr Dynamik ist, bleibt freilich abzuwarten.

2025 erholt sich die deutsche Wirtschaft nach zwei eher dürren Jahren minimal, wobei das Wachstum fast ausschließlich vom privaten und staatlichen Konsum getragen wird. Die Exportabhängigkeit Deutschlands bleibt ein Risiko: Verschärfte internationale Bedingungen – etwa Konjunktursorgen in den USA, protektionistische Tendenzen (z.B. US-Zölle oder "Buy American"-Programme) und eine anhaltende Investitionszurückhaltung der deutschen Industrie – machen sich erneut deutlich bemerkbar. Auffällig ist auch, dass die Beschäftigung ihr Wachstum praktisch eingestellt hat, wenngleich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu anderen EU-Staaten niedrig bleibt. Neue Herausforderungen wie der demografische Wandel, Energiekosten und der schleppende Wohnungsbau lasten weiterhin schwer auf der deutschen Konjunktur. Die Bundesbank und führende Wirtschaftsforschungsinstitute warnen, dass strukturelle Reformen und Investitionen – besonders in den Bereichen Digitalisierung, Infrastruktur und Bildung – dringend notwendig sind, um die Wettbewerbsfähigkeit auf Sicht zu sichern (siehe taz.de, FAZ.net und Spiegel.de). Zuletzt gibt es in Medien und Politik eine auffallende Debatte über die Rolle des Staates (Staatsquote über 50 Prozent) und die fiskalische Nachhaltigkeit in schwierigen Zeiten. Ergänzende aktuelle Informationen: Laut jüngsten Pressemeldungen litt die Industrie im Frühjahr 2025 weiter unter Rezessionsdruck, während der Dienstleistungssektor leichte Erholungssignale sendet. Zudem schreitet die Zuwanderung von Fachkräften (vor allem aus Drittstaaten) voran – sie mildert den Mangel etwas, reicht aber (noch) nicht für eine Trendumkehr. Nicht zuletzt zeigt der jüngste Finanzierungsbericht einen stärkeren Anstieg der Steuereinnahmen als der Ausgaben, was die Defizitquote erheblich verbesserte.

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