Klingbeil drängt auf ehrlichen Dialog mit Frankreich über Europas atomaren Schutzschirm

SPD-Chef Lars Klingbeil betont die Notwendigkeit, gemeinsam mit Frankreich offen über eine atomare Absicherung Europas zu sprechen.

heute 13:35 Uhr | 2 mal gelesen

Lars Klingbeil, derzeit Vorsitzender der SPD, bringt es auf den Punkt: Frankreich hat angeboten, seinen nuklearen Schutz für ganz Europa stärker zu öffnen – und diese Offerte sollten wir wirklich ernsthaft diskutieren. Klar ist auch für ihn: Deutschland bleibt seiner Verpflichtung aus dem Atomwaffensperrvertrag treu, will also gar keine eigenen Atomwaffen ins Spiel bringen. Trotzdem, und vielleicht eben gerade deshalb, liegt laut Klingbeil jetzt einiges daran, offen mit Paris in einen strategischen Austausch einzutreten. Überraschend ist vielleicht, wie selbstverständlich Klingbeil trotzdem an der transatlantischen Partnerschaft und Deutschlands Rolle innerhalb der NATO festhält. Es ist also kein Entweder-Oder, sondern eine Art Balanceakt zwischen europäischer Selbstbehauptung und Verlässlichkeit im Bündnis. Dass Deutschland nun sogar Führungsverantwortung in Europa übernehmen müsse, wie Klingbeil andeutet – klingt großspurig, steht aber ganz konkret auf der Tagesordnung. Und zwischen den Zeilen schwingt das Unbehagen über die geopolitischen Unsicherheiten ziemlich deutlich mit.

Lars Klingbeil setzt auf einen offenen strategischen Dialog mit Frankreich zur Frage der nuklearen Sicherheit in Europa. Das bislang zurückhaltende deutsche Selbstverständnis im atomaren Bereich gerät damit in Bewegung – nicht im Alleingang, sondern ausdrücklich im Schulterschluss mit europäischen und atlantischen Partnern. Neues Gewicht bekommt diese Debatte auch angesichts wachsender globaler Unsicherheiten und einer veränderten Rolle der USA in Europa, wie der Blick auf aktuelle Entwicklungen in der NATO, die Diskussionen um die Zukunft europäischer Sicherheitsstrukturen sowie neueste Statements aus Frankreich und Deutschland zeigen. Die französische Regierung hat in den letzten Monaten tatsächlich mehrfach signalisiert, die eigene Nuklearstrategie für europäische Belange öffnen zu wollen, insbesondere seit Russlands aggressivem Auftreten gegenüber seinen Nachbarn. Nicht zuletzt auch in deutschen Medien wird die Frage lebhaft diskutiert, ob und wie ein stärker integrierter nuklearer Schutzschirm unter Beteiligung verschiedener europäischer Staaten aussehen könnte.

Schlagwort aus diesem Artikel