In einer deutlich formulierten Rede bei der Bertelsmann-Stiftung hat Lars Klingbeil klar gemacht, dass die Förderung eines frühen Berufsausstiegs auf den Prüfstand gehört. Aus seiner Sicht braucht es mehr Anreize, damit Menschen länger im Job bleiben – und das nicht aus Jux, sondern weil es gesellschaftlich nötig wird; nicht zuletzt mit Blick auf die Rentenkasse.
'Wir werden um mehr Erwerbsarbeit nicht drum herumkommen', betonte Klingbeil, und kritisierte nebenbei die vielen Teilzeitjobs und bestehende finanzielle Anreize für ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Viel lieber möchte er eine Rentenwelt, in der sich Engagement und Durchhalten auch wirklich lohnen – mit weniger 'Belohnungen' fürs Aufhören und mehr Ansehen (und offenbar Geld) fürs Dranbleiben.
Gleichzeitig versichert Klingbeil, dass er an einer umfassenden Steuerreform arbeitet, mit der 95 Prozent der Menschen mehr Netto übrig haben sollen. Das erfordert allerdings, dass Wohlhabende stärker zur Kasse gebeten werden, wie er offen zugibt: Für die Meisten soll es Hunderte Euro Entlastung geben, aber die Umverteilung ist – man ahnt’s – ein politisches Minenfeld.
Ein Umstand bleibt: Einfache Lösungen sucht man hier vergeblich, und irgendwie spürt man in dem Ganzen einen gewissen Pragmatismus – oder, je nach Sichtweise, Realismus.
Lars Klingbeils Vorschläge für das Rentensystem zielen darauf ab, die Belohnung für viele Arbeitsjahre zu erhöhen und das frühzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben weniger attraktiv zu machen. Das ist ein Vorstoß vor dem Hintergrund alternder Gesellschaft und angespannten Rentenkassen, bekannte Herausforderungen, die weitere Reformdruck erzeugen. Interessant: In aktuellen Reaktionen aus Politik und Verbänden (z.B. Deutscher Gewerkschaftsbund, Sozialverbände) werden teils Sorgen laut, dass das Thema Lebensarbeitszeit zu Lasten gesundheitlich belasteter Berufsgruppen geht, während Wirtschaftsexperten Klingbeils Steuerpläne unterschiedlich beurteilen – einige sehen ersehnte Entlastungen, andere befürchten, dass das Vorhaben vor allem einkommensstärkere Gruppen verärgert oder dem Wirtschaftsstandort schadet.