Klinikreform: KBV sieht drohendes Kliniksterben auch bei zentralen Krankenhäusern

Angesichts der zerredeten Krankenhausreform warnt die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor einem massiven Kliniksterben – nicht nur bei kleinen Häusern, sondern auch bei wichtigen Versorgern.

03.01.26 12:36 Uhr | 25 mal gelesen

Die Krankenhausreform, die von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach angestoßen wurde, sei inzwischen so stark verwässert, dass deren ursprüngliche Ziele kaum noch zu erkennen seien, äußerte sich Andreas Gassen, Vorsitzender der KBV, im Gespräch mit der 'Neuen Osnabrücker Zeitung'. Problematisch sei vor allem, so Gassen, dass ohne wirkliche Veränderung Kliniken reihenweise zahlungsunfähig würden – und zwar keineswegs nur kleinere Häuser, sondern eben auch zentrale Versorgungskliniken, die für das Gesundheitssystem unerlässlich sind. Dabei schiebt er die Verantwortung vor allem den Ministerpräsidenten der Länder zu, die sich strukturellen Änderungen konsequent widersetzen: Jeder wolle vor Ort Krankenhäuser erhalten, selbst wenn deren Versorgung kaum noch gewährleistet sei. Die Bilanz sei ernüchternd: Kliniken verschlingen jährlich über 100 Milliarden Euro und gelten laut Gassen als der mit Abstand größte Ausgabenfaktor im Gesundheitswesen, während die Patientenzahlen gleichzeitig kontinuierlich zurückgehen. Trotzdem werde es nicht geschafft, die tatsächlich zentralen Kliniken angemessen zu unterstützen und auszurüsten. Gassen macht klar: Aus Patientensicht könne man auf viele der kleinen Krankenhäuser verzichten, aber aus politischen Erwägungen geschieht das Gegenteil – es herrscht ein fatales „Nicht-in-meinem-Bundesland“-Denken.

Der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen warnt eindringlich vor einer Insolvenzwelle bei Deutschlands Krankenhäusern, wobei auch unverzichtbare Versorger bedroht seien. Zentraler Kritikpunkt ist das Versagen der Bundesländer, notwendige Strukturveränderungen zuzulassen: Aus Angst vor politischem Gegenwind und Protesten wird der Status quo verteidigt, auch wenn viele Kleinkrankenhäuser nicht mehr zeitgemäß wirtschaften. Neuere Stimmen aus Medien wie der Süddeutschen Zeitung und der FAZ unterstreichen den Ernst, indem sie von ersten Klinik-Schließungen berichten und auf verschleppte Investitionen, Fachkräftemangel und eine unübersichtliche Finanzierungslage aufmerksam machen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach räumte erst kürzlich ein, dass das aktuelle System „unhaltbar“ geworden sei und die Bundesländer stärker in die Pflicht genommen werden müssten. Die Politik ringt derweil weiter um einen Kompromiss – aber jedes Zögern erhöht das Risiko, dass für viele Menschen wohnortnahe, qualitativ hochwertige Versorgung wegbrechen könnte.

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