Es wirkt fast wie ein Echo vergangener Zeiten: Die Linke spricht von einem skrupellosen Verstoß gegen grundlegende Regeln internationalen Zusammenlebens, als sie den US-Angriff auf Venezuela verurteilt. Vinzenz Glaser, außenpolitischer Sprecher, nannte den Vorstoß ein Paradebeispiel für die Art von Überheblichkeit, die nach wie vor große, mächtige Staaten gegenüber schwächeren Ländern an den Tag legen – eben typisch postkoloniale Machtallüren.
Seine Worte treffen einen wunden Punkt: Militärische Gewalt mitten in einer Millionenstadt – das ist nicht so einfach wegzuerklären. Weder Rechtsnoch moralisch. Die Leidtragenden? Meistens ganz normale Menschen, während internationales Recht ins Wanken gerät. Das Statement der Linken fordert von der Bundesregierung unmissverständlich, sich klar gegen derartige „Abenteuer“ zu stellen – und, mehr noch, auf Aufklärung und die Rückkehr zum Dialog zu pochen.
Bis zum Mittag hatte sich die Bundesregierung aber auffällig zurückgehalten. Keine Stellungnahmen, kein Kommentar – ein seltsames Schweigen, nachdem sonst jeder Fauxpas eines Ministers sofort getwittert wird.
Die Linke bleibt ihrer skeptisch-pazifistischen Linie treu und ist bisher die einzige Fraktion, die sich so eindeutig gegen den Militäreinsatz der USA in Venezuela ausspricht. Glaser legt den Finger auf die tieferliegenden Dynamiken: Die Angst, dass das Völkerrecht zur Spielwiese geopolitischer Interessen verkommt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Auffällig leise bleibt bisher die Bundesregierung – ähnlich wie nach vergleichbaren Vorfällen in anderen Teilen der Welt, wobei der diplomatische Drahtseilakt wohl kaum bequemer wird.
Recherchen zeigen, dass das internationale Echo auf den US-Angriff durchaus gemischt ausfällt: Während einige Medien auf die Bedeutung internationaler Absprachen pochen oder die Reaktion der Vereinten Nationen beobachten, machen andere auf die innenpolitischen Spannungen in Venezuela aufmerksam. Im Hintergrund steht zudem die Frage, wie die Rohstoffinteressen und das geopolitische Kräftemessen zwischen den USA, Russland und China hier hineinspielen – eine Gemengelage, deren Risiken kaum vorherzusagen sind.