Jürgen Hardt, seines Zeichens außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, versucht der verhärteten Lage in Venezuela sogar noch etwas Hoffnung abzugewinnen. Mit Blick auf den seit Jahren regierenden Maduro spricht er davon, dass dessen Sturz ein Zeichen der Hoffnung für die gebeutelte Bevölkerung sein könnte – viele Menschen seien ja auf der Flucht. Trotzdem plädiert Hardt für Zurückhaltung seitens Deutschlands und der EU, schließlich sei die Krise in Venezuela für uns in Europa nicht so direkt greifbar wie andere globale Konflikte. Er schlägt vor, die Entwicklung nüchtern zu bewerten und in engem Kontakt zu den USA, den Nachbarstaaten und verschiedenen Gruppen innerhalb Venezuelas zu bleiben.
Weitaus kritischer positioniert sich Roderich Kiesewetter, CDU-Außenpolitiker. Für ihn markiert die Militärintervention der USA einen Bruch mit der Nachkriegsordnung und den Rückfall in alte Zeiten: Das Prinzip, dass der Stärkere gilt und nicht internationales Recht, kehre zurück. Venezuela sei zwar ein Unrechtsstaat, aber eben kein Aggressor wie beispielsweise der Iran. Kiesewetter spricht sich konsequent dafür aus, dass Europa unabhängig von den USA und selbstbewusster auftreten müsse. Er fordert eine stärkere europäische Stimme, vor allem auch im Umgang mit anderen Partnern wie Kanada oder Dänemark, die aktuell unter US-Druck geraten. Das Vertrauen in die USA schwinde mit jedem Schritt der Trump-Administration.
Die Debatte innerhalb der CDU/CSU über den US-Angriff auf Venezuela verdeutlicht alte und neue Fronten: Während Jürgen Hardt den Sturz Maduros als Chance für das geschundene Land betrachtet und zu diplomatischer Umsicht rät, sieht Roderich Kiesewetter dunkle Vorzeichen und fordert eine Emanzipation Europas von amerikanischer Willkür. Neuere Pressestimmen und Analysen – etwa aus der FAZ und von der Süddeutschen Zeitung – bestätigen: Die internationale Gemeinschaft ist uneins, die Motive und die Folgen des US-Eingreifens werden kritisch beäugt. Viel Aufmerksamkeit gilt inzwischen auch den Auswirkungen für zivile Bevölkerung und Nachbarländer sowie der Frage, wie glaubwürdig die westliche Werteordnung künftig noch wahrgenommen wird.
Laut aktuellen Meldungen (u.a. von Zeit Online) verschärft die nicht abgestimmte Außenpolitik der USA die Spaltung zwischen Europa und Amerika. Verschiedene Pressebeobachter heben hervor, dass die Unionsfraktion zwar in der Rhetorik, nicht aber im grundsätzlichen Ansatz von einer Zentrierung europäischer Interessen abrückt.
In internationalen Debatten werden zudem die humanitären Folgen und die langfristige Instabilität für die Region immer wieder betont. Die kontroverse Haltung innerhalb der Union spiegelt somit eine größere Unsicherheit wider, wie sich Deutschland und die EU gegenüber globalen Machtverschiebungen positionieren sollte.