Friedrich Merz stellte in seiner Ansprache im Bundestag eindringlich heraus, wie sehr Rita Süssmuth mit ihrem Wirken für Freiheit und die Entwicklung des Einzelnen eingestanden habe. Besonders hob er ihre Rolle als erste Frauenministerin, engagierte Bildungspolitikerin und langjährige Präsidentin des Bundestags hervor. In Bezug auf moderne Familienpolitik habe Süssmuth häufig gegen Widerstände bestehende Strukturen hinterfragt und sich für bessere Bedingungen starkgemacht – ein echter Vorgriff auf heutige Debatten um Gleichstellung. Historisch bemerkenswert sei auch ihr Beitrag zur Annäherung zwischen Deutschland und Polen gewesen. Merz betonte, Süssmuth habe stets dazu aufgerufen, den Anliegen der Bürger Gehör zu schenken und gleichzeitig Chancengerechtigkeit im Bildungswesen voranzutreiben. Ihr Tod am 1. Februar – sie wurde 88 Jahre alt – bedeute für viele Weggefährten und politische Freunde einen großen Verlust, aber ebenso Verbindlichkeit, ihre parteiübergreifende Haltung und Beharrlichkeit weiterzutragen. Zu den Gästen des feierlichen Staatsaktes zählten neben ihrer Familie zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Zwischen 1985 und 1988 lenkte sie das Ressort für Jugend, Familie und Gesundheit, ab 1988 dann eine Dekade lang als Bundestagspräsidentin. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner würdigte Süssmuth darüber hinaus als mutige Debattenöffnerin, die auch in unbequemen Momenten Verantwortung übernommen habe – oft schon, bevor die Gesellschaft dazu bereit war. Manches wirkt nach: Debattenkultur, Mut zu Zwischentönen und der Blick über den Tellerrand.
Rita Süssmuth wurde in einem Staatsakt für ihr Lebenswerk geehrt. Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner betonten ihre Vorreiterrolle etwa in der Familienpolitik, im Bildungsbereich und bei der deutsch-polnischen Aussöhnung. Süssmuth, die von 1987 bis 2002 dem Bundestag angehörte, wird als Persönlichkeit gewürdigt, deren Einfluss weit über politische Kontroversen hinausreicht.
Erweiterung: Laut Informationen der 'Süddeutschen Zeitung' wurde ihr besonderes Engagement für den Dialog zwischen Gesellschaftsgruppen erneut herausgestellt und wie sie auch international als Vermittlerin gewirkt hat. Die 'Zeit' hebt hervor, dass Süssmuth besonders in der Migrations- und Integrationspolitik Brücken gebaut hat; ihre Gesprächsbereitschaft und Bereitschaft zum Perspektivwechsel seien vielen in Erinnerung geblieben. Nach der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' wurde im Staatsakt auch ihre Rolle betont, frauenpolitische Themen wie Gleichberechtigung und Arbeitsteilung früh konsequent gefordert und gesellschaftsfähig gemacht zu haben.