Auf die Frage, ob jetzt die Zeit für eine Frau im höchsten Staatsamt Deutschlands sei, reagierte Kramp-Karrenbauer ohne Zögern: "Ja, ganz klar, ohne Einschränkung." Dabei ließ sie offen, ob sie persönlich Ambitionen auf das Amt hegt – Diskussionen darüber seien ihrer Meinung nach eher ein Medienhype, denn für viele Menschen zählten derzeit ganz andere Themen. "Mein Name taucht halt auf, weil gerade so viel spekuliert wird. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in solchen Phasen Namen in den Ring geworfen werden – meiner steht dann eben auch auf der Liste," kommentierte sie nüchtern. Allerdings räumte die ehemalige Verteidigungsministerin ein, dass die laufende Debatte stark von parlamentarischen Mehrheiten und Wahlmathematik geprägt sei. Aber, so betonte sie, eigentlich müsse die Debatte doch viel tiefer gehen – Stichwort: Was braucht das Land im Innersten, welche Art Persönlichkeit als Staatsoberhaupt könnte dem Rechnung tragen? Diese, sagt Kramp-Karrenbauer, sei die eigentliche Diskussion, die zum Zeitpunkt der nächsten Wahl dringend zu führen wäre. Immerhin, 2027 läuft Steinmeiers zweite Amtszeit ab, und schon am 30. Januar jenes Jahres wird eine Nachfolge gewählt – die Uhr tickt also bereits.
Die Forderung nach einer Bundespräsidentin schallt immer lauter – prominent unterstützt von Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich in der "Rheinischen Post" klar festlegt. Sie weicht der Frage, ob sie selbst kandidieren wolle, geschickt aus und verweist stattdessen auf die gesellschaftlichen Debatten, die weiter reichen als parteiinternes Geschacher. Die Kernfrage, so Kramp-Karrenbauer, müsse lauten: In welcher emotionalen und sozialen Verfassung befindet sich Deutschland, und welcher Typus Mensch sollte symbolisch an dessen Spitze stehen? Dieser Ansatz findet zunehmend Echo: In den Medien und auch in der Bevölkerung wächst der Wunsch nach mehr weiblicher Repräsentanz, nicht nur als Signal, sondern als handfeste Perspektivenwende im Land. Jüngste Untersuchungen und Kommentare stellen zudem fest, dass eine Frau in Bellevue gesellschaftlichen Wandel greifbarer machen könnte – und politisches Handeln mehr mit Vorbildwirkung verknüpft würde.