Manchmal ist es so einfach: Verlieren, Glas Wein, zurücklehnen. Fast klingt Wolfgang Kubicki ein wenig erleichtert, als er im Interview mit T-Online sein politisches Schicksal an die Ergebnis-Wand des Parteitags hängt. "Wenn die FDP mich nicht mehr will, dann ist es halt so. Dann schaue ich mir das politische Treiben lieber von der Seitenlinie aus an – vielleicht mit weniger Kopfschmerzen und mehr Lebensqualität." Für den Fall eines Sieges zeigt er jedoch Größe: Seinem Mitstreiter Henning Höne will er eine einflussreiche Funktion zugestehen, ganz unabhängig vom Wahlausgang. Kubicki plädiert für einen respektvollen Umgang: „Auch wenn Höne gegen mich verliert, gehört er für mich in eine starke Rolle, etwa als stellvertretender Vorsitzender – man wirft Kompetenz schließlich nicht leichtfertig über Bord.“
Womit Kubicki nochmals deutlich macht, dass er einen sozialliberalen Kurs verfolgt – allerdings fehle ihm in der SPD die „alte Garde brandtscher Couleur“; Namen wie Willy Brandt, Helmut Schmidt, Sigmar Gabriel oder selbst Gerhard Schröder tauchen in seinem Erinnerungsfundus auf, als Vermächtnis eines verlorenen Dialogpartners. Sein Ziel in Sachen Wahlergebnis liegt klar über den magischen zehn Prozent: Unter dieser Schwelle wäre es ihm schlicht zu wenig. Außerdem schwebt ihm mit Blick auf eventuelle Regierungen ein Bündnis mit einer erneuerten Union oder einer kraftstolzen SPD vor. Denn: „Nur im Parlament zu sitzen reicht nicht, eigene Ideen muss man am Ende auch umsetzen.“ Und, ehrlich gesagt, klingt das nicht nach Abschied, sondern ganz nach alter politischer Leidenschaft. Oder nach einer Flucht nach vorne?
Wolfgang Kubicki koppelt seinen Verbleib in der Politik an seinen Erfolg beim bevorstehenden FDP-Bundesparteitag. Sollte er durchfallen, will er – weinliebend – in den politischen Ruhestand wechseln, bleibt aber bei einem Erfolg ehrgeizig: sein Ziel sind zweistellige Wahlergebnisse für die FDP und eine mögliche Regierungsbeteiligung, wo entweder eine reformorientierte Union oder eine fortschrittliche SPD Partner sein könnten. Mit Blick auf aktuelle Medienberichte zeigt sich, dass die FDP insgesamt in einer existenziellen Debatte steckt, da der Koalitionspartner Grüne mittlerweile stärker erscheint und interne Machtkämpfe über Personal und Kurs den liberalen Markenkern infrage stellen. Weiterhin wird in verschiedenen Leitmedien wie der "FAZ" und dem "Spiegel" auf die Unsicherheit der FDP hinsichtlich ihrer Zukunft im Bund eingegangen – dabei gilt Kubicki durchaus als Symbolfigur für eine mögliche Trendwende, aber eben auch als Bindeglied zu einer vergangenen politisch-liberalen Ära. Laut aktuellen politischen Kommentaren ist seine Ankündigung ein Signal selbstkritischer Rückbesinnung, aber auch eine Einladung an pragmatische Kräfte, den Niedergang der Partei abzuwenden.