Deutschland im Reform-Koma? – Coface-Kongress ringt um Auswege für die Wirtschaft

Mainz – Die Liste der Herausforderungen für Deutschlands Wirtschaft liest sich wie ein dystopischer Roman: Reformstau, explodierende Energiekosten, fehlende Perspektiven und internationale Unsicherheiten. Auf dem 19. Coface-Kongress am 23. April – ein Debattensaal mit durchaus erhitztem Gemüt – sammelten sich Stimmen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Risikomanagement, um zu besprechen, wie das Land aus seinem Modernisierungsschlaf gerissen werden kann. Während Frustration die Gesellschaft spaltet, drängt ein Gedanke immer mehr in den Vordergrund: Ohne radikale Reformschritte fährt der Wirtschaftsstandort an die Wand.

heute 14:42 Uhr | 3 mal gelesen

„Strukturelle Stagnation – das ist das deutsche Grundrauschen derzeit“, eröffnete Katarzyna Kompowska (Coface-CEO Nordeuropa) den Kongress. Die Unternehmen sitzen längst nicht mehr auf gepackten Koffern, sie sind schon unterwegs – Wandel findet statt, allerdings nicht immer im Sinne Deutschlands.

Zwischen Bildungslücken und erstarrtem Arbeitsmarkt

Prof. Jutta Allmendinger setzte den Finger in eine offene Wunde: Schieflagen fangen nicht erst im Bewerbungsgespräch an, sondern häufig schon am ersten Schultag. Sozialer Aufstieg? Fast ein Glücksspiel – auch 2024. Ihr Appell: Bildung muss durchlässig und flexibel werden, weg von illusorischen Altersgrenzen, hin zu Weiterbildung und echter Teilhabe, damit nicht weiterhin wertvolle Arbeitskraft verloren geht – insbesondere bei Frauen. Es brauche jungen Menschen Mut und Selbstwirksamkeit statt Zertifikate zum Abstauben. Klingt logisch, bleibt aber oft Theorie.

Planlosigkeit statt Planungssicherheit

Die Stimmung in der Wirtschaft pendelt zwischen Kopfschütteln und resigniertem Schulterzucken. Bianca Illner vom VDMA forderte: Weniger bremst, mehr Anschub. Bürokratischer Wildwuchs und fehlende Planbarkeit verdrängen Investitionen ins Ausland – manch einer investiert lieber am Bosporus als an der Elbe. „Wirtschaft braucht Kompass, keinen Dschungel“, ruft Illner – aber der Kompass scheint derzeit defekt.

Andrea Thoma-Böck (Thoma Metallveredelung) schiebt die Verantwortung ausdrücklich nach Berlin: Ehe man das eigene Haus auf Vordermann gebracht hätte, male man bunte Visionen an die Außenwand – während drinnen Insolvenz droht. „Alle 22 Minuten schließt ein Unternehmen!“, warnt sie. Was fehlt, ist Vertrauen: nicht nur in der Wirtschaftspolitik, sondern von Staat zu Unternehmen – sonst sterben Innovationen schon im Keim.

Innovation geht anders

Dieter Worf (Schott AG) mahnt flammend: Die Innovationskultur braucht Luft zum Atmen. Zu viel Regulierung erdrosselt gute Ideen, während die Energiepolitik lahmt. Ein starkes Bildungssystem wäre der Zündstoff, den es bräuchte, damit Einfälle auch wirklich auf dem Markt ankommen.

Frank Sieren, zugeschaltet aus Peking, öffnet den Blick: Chinas Wandel vom Billigproduzent zum Innovationsführer ist vollzogen – schneller, kompromissloser, regulatorisch flexibler. Während in Europa das Regelwerk dick wie ein Roman wächst, produziert China längst die nächste Technologie. Wettbewerb um die Pole Position ist also eine Frage des Tempos und der Klarheit der eigenen Stärken – nicht ewiger Vorbehalte.

Dämpfer für den Ausblick

Am Ende zieht Coface-Ökonom Markus Kuger Bilanz: Energiepreise gefallen, aber die Mühen wachsen trotzdem – Lieferketten wackeln, Kredite waren mal günstiger, geopolitische Konflikte kosten Nerven. Weltweit erwartet man schlappe 2,1 % Wachstum bis 2026, für Deutschland beinahe Stillstand. Immer dasselbe Problem: Es bewegt sich nichts von selbst…

Presse-Kontakt: Coface Deutschland – Sebastian Knierim (Pressesprecher) – Tel: 06131/323-335 – sebastian.knierim@coface.comwww.coface.de

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Der Kongress brachte ernüchternde Analysen und forderte breite Reformen auf allen Ebenen: Die Bildung bleibt das Sorgenkind, weil Herkünfte Chancen zementieren; die Wirtschaft ächzt unter Bürokratie, und Unternehmen weichen ins Ausland aus. Politische Zurückhaltung wird als Haupthemmnis für Innovation, Investitionen und Planbarkeit gesehen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht auf der Kippe, denn ohne mutige, glaubwürdige Politik könnten Arbeitsplätze und Wohlstand dauerhaft verloren gehen. In jüngsten Medienberichten wurde der Reformstau weiter konkretisiert: Laut 'Die Zeit' droht Deutschland ohne Bürokratieabbau und Digitalisierung den Anschluss im internationalen Wettbewerb zu verlieren. Ein Artikel der 'FAZ' weist darauf hin, dass die wirtschaftliche Stagnation zunehmend Fachkräfte abschreckt und Investitionen ins Ausland drängt. Die 'Süddeutsche Zeitung' berichtet über die steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen, hinterfragt jedoch, ob dies ausschließlich strukturellen Defiziten anzulasten ist oder auch Folge globaler Risiken und einer veränderten Rechtslage.

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