Lauterbach sieht Bewegung bei Organspende – Widerspruchslösung könnte 2024 kommen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass die Widerspruchslösung zur Organspende vielleicht schon dieses Jahr vom Bundestag beschlossen wird.

heute 04:38 Uhr | 2 mal gelesen

Karl Lauterbach weiß, wie schnell biografische Zufälle politische Prozesse beschleunigen können. Mit Blick auf die jüngste Lungentransplantation der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit meint er: „Gerade solche prominenten Fälle machen vielen deutlich, wo unser System Nachholbedarf hat.“ Für Lauterbach steht fest: Wenn Deutschland bei der Organspende den Schalter auf Widerspruchslösung umlegt, könnten Leben gerettet werden – nicht nur bei Lungentransplantationen, sondern auch beim Warten auf Herz oder Niere. Die Statistik spricht Bände: Noch immer sterben hierzulande zahlreiche Menschen, ohne dass ein passendes Organ für sie gefunden wird. Das erschließt sich dem SPD-Politiker nicht – zumal in Ländern wie Norwegen längst andere Regeln gelten und diese Dramen seltener auftreten. Er plädiert dafür, das Thema aus dem ideologischen Nebel zu führen. Viel zu häufig werden Ängste geschürt oder etwa religiöse Bedenken betont, anstatt sich auf handfeste Fakten zu konzentrieren. Sein Vorschlag klingt pragmatisch: Wer keine Organe spenden möchte, kann sich unkompliziert ins digitale Register eintragen. Irrtümer? Unwahrscheinlich, sagt Lauterbach. Im Bundestag steht die Debatte für Mittwoch an; vielleicht ist der berühmte „Kairos“, das richtige Zeitfenster, nun endlich da. Jedenfalls wünscht sich Lauterbach weniger Moralisieren und mehr nüchterne Diskussionen – um mit gut aufgestellter Digitalisierung Tatsachen zu schaffen.

Die Diskussion um die Widerspruchslösung in Deutschland ist erneut entflammt, nicht zuletzt durch den prominenten Fall von Mette-Marit, was ein neues Nachdenken ausgelöst hat. Während Karl Lauterbach vor allem den pragmatischen Umgang betont und darauf verweist, dass ein digitales Register bereits zuverlässig Schutz bietet, stehen auf der anderen Seite weiterhin ethische, religiöse und gesellschaftliche Debatten einer Reform im Weg. Inzwischen werden Stimmen lauter, die – wie Lauterbach – auf Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern verweisen, in denen die Widerspruchslösung bereits zu schnelleren Vermittlungszeiten und geringeren Todeszahlen auf den Wartelisten geführt hat. Laut aktuellen Medienberichten ist die Organspendebereitschaft in Deutschland weiterhin niedrig: 2023 gab es laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation nur 965 Organspender*innen, gleichzeitig warten rund 8.400 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Die Widerspruchsregelung, die in Ländern wie Spanien oder Österreich schon lange gilt, führte dort zu einer deutlich höheren Spenderquote. Allerdings begegnen viele Menschen dem Thema weiterhin mit Unsicherheit, insbesondere beim Gedanken an Organspende nach dem Tod – ein Grund, weshalb das Thema regelmäßig neu debattiert wird. Aktuelle politische Akteure hoffen, dass die Gesetzgebungsdebatte im Bundestag den Durchbruch bringt.

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