Leben zwischen Community und Kameralinse: Der Podcast „Bibis Palace – Freundschaft für Likes“ im MDR

Leipzig – Bianca Heinicke, besser bekannt als Bibi von BibisBeautyPalace, war – oder ist? – eine der schillerndsten Figuren der deutschen Influencer-Szene. 2022 verschwand sie plötzlich aus der Öffentlichkeit. Der MDR-Podcast „Bibis Palace – Freundschaft für Likes“ sucht nach Erklärungen und bietet erstmals seit Jahren ein ausführliches Interview mit Bibi – in dem es um mehr als nur die glänzende Oberfläche geht. Was bleibt nach dem Hype, und wie leben ihre Fans heute mit der digitalen Distanz? Fünf Podcast-Folgen gibt’s ab 2. Februar exklusiv in der ARD Audiothek (1.ard.de/bibis-palace).

20.01.26 11:24 Uhr | 2 mal gelesen

Der Einstieg in diese Geschichte fühlt sich beinahe nostalgisch an: Youtube, Anfang der 2010er, als alles naiv, unkompliziert und ein wenig improvisiert wirkte. Bianca Heinicke, damals kaum 20, sitzt in einer kleinen Dachbude, zückt die Kamera und spricht in die Welt hinaus – zunächst mit Schminktutorials, dann immer größer, lauter, professioneller. Aus ein paar Hobby-Videos wird ein digitales Familienunternehmen, teils auch mit ihrer Beziehung als gefühlt öffentliches Eigentum. Was dabei fast vergessen wird: Viele Fans wachsen mit Bibi auf, teilen über Jahre hinweg intime Alltagsmomente, als würde es keine Grenze zwischen Bildschirm und Wirklichkeit geben. Nach außen wirkt das wie eine Dauer-Party, drinnen dagegen brodelt es – Druck von Fans, Geschäftspartnern, und ständig die Sehnsucht, mal wirklich abzuschalten. Der Podcast nimmt sich die Zeit, genauer hinzusehen: Wie funktioniert der brutale Kreislauf aus Erwartung, Inszenierung und Algorithmus? Was bedeutet es, wenn Follower und Influencerinnen diese heikle Nähe eingehen, die oft einseitig bleibt? Und was geschieht hinter den Kulissen, wo Likes nicht mehr genügen? Bianca schildert schonungslos, wie sie zwischen Selbstvermarktung und Selbstschutz zerrieben wird – und wieso irgendwann ein Schlussstrich her musste. Fans bekommen ebenfalls eine Stimme, manche zutiefst loyal, andere enttäuscht und nachdenklich. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie parasoziale Beziehungen zur Sucht werden können: Nähe, Bewunderung, der stete Strom – aber unter dem Strich bleibt oft mehr Einsamkeit als Freundschaft. Realisiert wurde der Podcast von einem Team junger Journalist*innen, mit Peggy Grunwald in der Redaktion und Anne Wihan am Mikrofon. Das Projekt ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Storytelling im Audioformat neue Perspektiven auf viel diskutierte Themen wirft – mit Ecken, Kanten und vielen offenen Fragen. Hörproben und sämtliche Folgen gibt es ab sofort ausschließlich in der ARD Audiothek. Mehr Infos und die Möglichkeit, den Trailer zu hören: https://1.ard.de/bibis-palace

Der MDR-Podcast „Bibis Palace – Freundschaft für Likes“ begibt sich auf eine Suchbewegung durch das Leben von Bianca Heinicke, einer der ersten großen deutschen YouTube-Stars, die mit scheinbarer Leichtigkeit riesige Communities aufbaute – und irgendwann anscheinend am Druck dieser Dauer-Öffentlichkeit zerbrach. Neben ihren persönlichen Einblicken wird auch die Fan-Perspektive beleuchtet: Viele erlebten durch Bibis Videos Zugehörigkeit und Inspiration, andere entwickelten teilweise fast suchtartige Beziehungen – was typisch ist für das, was Forscher als ‚parasoziale Interaktion‘ bezeichnen. Aktuelle Recherchen zeigen, dass insbesondere junge Menschen solche Influencer:innen wie Freund*innen erleben; gleichzeitig mehren sich Stimmen, die den emotionalen Stress, die Folgen von Hate und die Schattenseiten des Geschäfts kritisieren. In mehreren Medien (u.a. FAZ, Zeit, taz) finden derzeit Debatten statt, wie Social Media-Stars mit Rückzug, Burnout oder Personal Branding umgehen und wie ihre Communities auf diesen Strukturwandel reagieren. Auch das Thema Datenschutz, Manipulation durch Algorithmen und die Marktmacht von Plattformen bleibt weiterhin hochaktuell und sorgt, laut neuen Berichten, für politische Diskussionen über Jugendschutz und Digitalregulierung.

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