Linke beharrt auf Achtstundentag
Janine Wissler, Bundestagsabgeordnete und einstige Vorsitzende der Linken, stellt sich vehement gegen jede Lockerung des traditionellen Achtstundentags. Gegenüber den Sendern RTL und ntv erklärte sie am Freitag klipp und klar: 'Wir lehnen eine Verwässerung des Achtstundentags ab.' Für Wissler ist klar: Wer Flexibilität will, sollte eher eine Arbeitszeitverkürzung anstreben – technische Fortschritte könnten dafür genutzt werden, die Lebensqualität zu erhöhen.
19.06.26 09:07 Uhr | 11 mal gelesen
Tatsächlich – daran lässt Wissler wenig Zweifel – gibt es bereits jetzt genug Schlupflöcher und Sonderregelungen im Gesetz: Sowohl das Arbeitszeitgesetz als auch zahlreiche Tarifverträge bieten Unternehmen genügend Spielraum, flexibel zu reagieren. Einer weiteren gesetzlichen Aufweichung erteilt die Linken-Politikerin deshalb eine strikte Absage. Sie betont noch einmal: 'Hände weg vom Achtstundentag.' Und ganz nebenbei erinnert sie: 'Wir existieren nicht, um unser Leben an die Arbeit anzupassen.' Ein gewisser Grad an Flexibilität sei zwar sinnvoll, dürfe aber auf keinen Fall dazu führen, dass die Grenzen vollends verschwimmen und am Ende die Beschäftigten die Zeche zahlen – etwa durch längere, ungesunde Arbeitstage. Ein bisschen klingen ihre Worte auch nach Grundsatzkritik am Zeitgeist, der Flexibilität gerne als Vorteil verkauft und dabei vergisst, dass Menschen keine Maschinen sind. Keine schlechte Erinnerung.
Janine Wissler, eine der bekanntesten Köpfe der Linken, hält am Achtstundentag fest und sieht in der aktuellen Debatte um flexiblere Arbeitszeitmodelle eine Gefahr für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie verweist darauf, dass die bestehende Gesetzeslage bereits vielfältige Ausnahmen und Spielräume für Unternehmen bietet – weitere Lockerungen könnten leicht zu einer Verlagerung der Belastung zulasten der Beschäftigten führen. Überdies bringt Wissler das Argument ins Spiel, dass technologische Entwicklungen eigentlich für mehr Lebensqualität genutzt werden sollten – beispielsweise durch eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit –, anstatt lediglich das Arbeitspensum zu erhöhen oder Arbeitstage auszudehnen. Bei aktuellen Stimmen aus der Politik und von Arbeitnehmerverbänden sieht man ähnlich: Viele befürchten, dass eine Aufweichung des Achtstundentages in erster Linie für mehr Druck und Instabilität sorgen und die ohnehin schon spürbare Entgrenzung der Arbeit weiter vorantreiben könnte. Gleichzeitig wird aber in Teilen der Wirtschaft und in digital-affinen Branchen mehr Flexibilität und Vertrauensarbeitszeit gefordert, um wettbewerbsfähig zu bleiben – was den politischen Streit verschärft. Jüngere Debatten rund um die 4-Tage-Woche, wie sie etwa in Belgien und Island getestet wurde, zeigen, dass das Thema auch international in Bewegung ist.