Statt Boykott: Universität Haifa rückt deutsch-israelische Wissenschaftsnetzwerke ins Rampenlicht

Düsseldorf – Im Industrie-Club drehte sich alles um wissenschaftliche Verbindungen und einen Dialog, der weit über akademische Tische hinausreicht.

19.06.26 09:05 Uhr | 16 mal gelesen

Wer an jenem Abend durch das Foyer des Industrie-Clubs Düsseldorf schlenderte, spürte sofort das leise Vibrieren: etwa 60 Gäste, vom Wirtschaftslenker bis zur Wissenschaftlerin, waren auf Einladung des Deutschen Fördererkreises der Universität Haifa dabei. Zentrale Figur der Stunde? Eindeutig die Universität Haifa, die angesichts ihrer 40 Prozent arabisch-israelischen Studierenden eigentlich schon für sich spricht. Selten hat eine Hochschule so offen auf Koexistenz und Durchlässigkeit gesetzt. Der Abend war nicht nur geprägt von Reden – der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst ließ es sich nicht nehmen, die deutsch-israelische Wissenschaftskooperation zu loben. Wissenschaft sei das Band, so Wüst, das Gesellschaften verbinden könne, gerade dann, wenn Diskursräume enge werden und Boykottparolen lauter. Mit auf dem Podium: Prof. Gur Alroey (Präsident der Universität Haifa), die Neurowissenschaftlerin Prof. Hanin Karawani Khoury und Dr. h.c. Sonja Lahnstein-Kandel vom deutschen Fördererkreis. Letztlich drehte sich alles um eine Kernfrage: Wie kann Wissenschaft Brücken schlagen, wenn politische Gräben immer tiefer werden? Anders als der akademische Boykott, auf den manche setzen, zeigen Programme wie das "Jewish-Arab Community Leadership Program" und das "Werner Otto Arab Israeli Women Graduate Scholarship Program": Zusammenleben ist erlernbar, wenn man Perspektiven öffnet. Kurze Abschweifung: Prof. Mouna Maroun, heute Rektorin, ist der lebende Beweis, dass Diversität Karrierewege bahnen kann, solange der Wille vorhanden bleibt. In den Gesprächen mischt sich Stolz mit einer Prise Sorge – der Anstieg antisemitischer Tendenzen, auch an deutschen Hochschulen, ist greifbar. Was tun? Vielstimmigkeit konkret leben, daran glauben, dass eine Universität zur Mikrokosmos-Gesellschaft werden kann. Die Haifa-Programme sind dabei mehr als nur Talentförderung, sie sind ein Statement gegen gesellschaftliche Ausgrenzung. Wenn man durch die Fenster auf die Stadt blickte, merkte man: Nordrhein-Westfalen und Haifa – das bleibt mehr als eine Partnerschaft, das ist gelebte Zukunftsarbeit. Noch eine Randnotiz: Die Uni Haifa ragt mit ihrer Studierendenvielfalt über den Nahen Osten hinaus. 19.000 junge Menschen – jüdisch, muslimisch, christlich, links, rechts, liberal oder ganz anders – tüfteln dort gemeinsam an Fragen, die uns alle angehen. Rund 44 Prozent stammen aus weniger begüterten Familien, mehr als die Hälfte ist die erste Generation mit Hochschulabschluss. Was am Ende bleibt: Die Universität Haifa wird nicht müde, Vielfalt nicht nur als Banner zu setzen, sondern real zu leben. Das ist – mit Verlaub – gerade heutzutage kein Selbstläufer.

Das Haifa-Dinner in Düsseldorf war ein deutliches Plädoyer für mehr deutsch-israelischen Wissenschaftsaustausch und die Bedeutung offener, inklusiver Hochschulstrukturen. Bei der Veranstaltung wurde besonders die Universität Haifa als Modell für multikulturelle und transnationale Zusammenarbeit hervorgehoben – inklusive innovativer Programme, die arabische und jüdische Studierende gezielt fördern. Einschlägige Recherchen zeigen: Angesichts jüngster Debatten um akademische Boykotte (u.a. im Kontext des Gaza-Kriegs) ist die öffentliche Unterstützung für Austausch und Dialog wichtiger denn je; die Haifa-Initiativen setzen hier ein sichtbares Gegengewicht.

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