Lufthansa und Cockpit-Gewerkschaft: Schlichtungsversuch vorerst gescheitert

Im Ringen um höhere Pilotengehälter gibt es zwischen Lufthansa und der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit weiterhin keine Annäherung – die Fronten scheinen verhärtet.

heute 13:00 Uhr | 6 mal gelesen

Eigentlich wirkte der Vermittlungsvorschlag der Pilotengewerkschaft ganz vernünftig, vielleicht sogar versöhnlich: Ein geregeltes Verfahren, um knifflige Punkte am Verhandlungstisch anzugehen, und das unter den prüfenden Augen eines neutralen Dritten. Doch daraus wird nun nichts, wie die Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch ernüchtert bekannt gab. Ihr Schlichtungsangebot wurde von Seiten der Lufthansa abgeschmettert. VC-Präsident Andreas Pinheiro zeigte sich enttäuscht: 'In der Öffentlichkeit wurde unser Angebot durchaus als konstruktiv gesehen, umso weniger können wir diese Ablehnung nachvollziehen.' Interessanterweise hatte die VC bewusst darauf verzichtet, alle vergangenen Tarifverträge aufzumachen. Genau das verlangte aber laut Pinheiro die Lufthansa nun: Die Airline habe zur Bedingung gemacht, alte, bereits festgezurrte Verträge neu zu verhandeln – ein in Gewerkschaftskreisen ziemlich ungewöhnlicher Schritt. Pinheiro verglich das mit einer Reform, bei der plötzlich das Grundgesetz auf dem Spiel steht. Anstelle von Gesprächsbereitschaft sieht die VC eine Verschärfung des Konflikts. Der Gewerkschaftschef warnt: 'Wer nicht deeskalieren will, muss eben mit neuen Streiks rechnen.' Das trifft letztlich nicht nur die Airline, sondern vor allem Passagiere, die wohl schon für Donnerstag und Freitag mit Flugausfällen leben müssen.

Der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten bleibt angespannt. Während die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit ein Schlichtungsverfahren vorgeschlagen hatte, wies die Lufthansa diesen Weg zurück und verlangte, abgeschlossene Tarifverträge neu zu verhandeln – was für die VC inakzeptabel ist. Wenig überraschend steigt damit die Streikgefahr, denn laut aktuellen Medienberichten sind bereits Streiks für die kommenden Tage angekündigt. Zusätzlich ist die wirtschaftliche Lage im Luftfahrtbereich weiterhin angespannt, und andere europäische Airlines stehen mit ähnlichen Tarifkonflikten unter Druck (vgl. taz.de vom 12.06.2024). Experten meinen, dass sich Deutschland im internationalen Vergleich durch eine relativ kompromisslose Streikkultur im Luftverkehr auszeichnet (vgl. FAZ.net, 12.06.2024). Das Thema beschäftigt also Branchen-Insider wie Passagiere gleichermaßen.

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