Europa steht am Scheideweg – das zumindest meint Manfred Weber. Sollte Amerika tatsächlich seine Truppen weiter abziehen, wie es derzeit sogar mit dem Abzug von Kampfjets anklingt, sieht der EVP-Vorsitzende die Europäer in der Pflicht: "Dann heißt es, dass wir selbst die Verantwortung übernehmen!" In einem Interview mit Politico betonte Weber ausdrücklich die Bedeutung der sogenannten Beistandsklausel im EU-Vertrag (Artikel 42.7). Zypern, Polen, Belgien – sie alle brauchen eine verlässliche Sicherheitsgarantie innerhalb der EU. Interessanter Seitenhieb: Die Europäer seien längst dabei, fast so viel Geld für Verteidigung auszugeben wie die USA; da sei es "absurd", dass jeder Staat eigene kleine Armeen unterhalte. Statt vieler eigenbrötlerischer Truppenverbände fordert Weber eine echte, schlagkräftige EU-Armee. Die NATO aber – das betont er immer wieder – bleibe zwar das Rückgrat der kontinentalen Sicherheit; doch Europa müsse auch handlungsfähig sein, sollte das transatlantische Bündnis bröckeln. Kommandostrukturen, Fähigkeiten, das ganze Programm – europäische Eigenständigkeit sei jetzt mehr als ein Schlagwort.
Weber mahnt einen personellen und strategischen Wandel in Europa an: Mit Blick auf einen möglichen Rückzug amerikanischer Truppen und angesichts wachsender Herausforderungen aus Moskau und anderswo pocht er auf mehr militärische Integration in der EU. Explizit ruft er dazu auf, statt der bisherigen zahlreichen Einzelarmeen eine echte europäische Streitkraft aufzubauen. Laut aktuellen Berichten schiebt sich diese Idee gerade angesichts des unberechenbaren Kurses der USA unter Trump wieder in den Vordergrund. Verschiedene Stimmen in der EU – insbesondere Frankreich und Polen – fordern teils sogar noch weitergehende Schritte, darunter gegenseitige Verpflichtungen in der Beistandsklausel und gemeinsame Rüstungsprojekte. In den letzten zwei Tagen wurde über Webers Vorstoß in vielen deutschen und internationalen Medien berichtet, wobei Kritik am Tempo und an politischen Hürden innerhalb der EU geäußert wird.